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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

Edmund Optics RKE (Reversed Kellner) Planetenokulare, 8mm u. 12mm Brennweite

 

RKE Okulare

Welches Okular ist eigentlich das beste? Jeder will das wissen und jeder will es haben. Leider gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort, da viele Faktoren darüber entscheiden, welches Okular für den individuellen Beobachter das geeignetste ist. So wird ein Brillenträger einen völlig anderen Okulartyp wählen als der normalsichtige Astronom. Ebenso werden Deepsky-Beobachter eher zu Okularen mit großem Gesichtsfeld tendieren, während Planetenbeobachter mehr auf Kontrast, Farbreinheit und Schärfe achten.

Auch für Okularprojektion sind nicht alle Typen geeignet, hier kommt es wieder mehr auf auf einen großen Augenabstand an. Das Okular kann aber auch nicht unabhängig vom Gerät betrachtet werden. Vor allem das Öffnungsverhältnis hat großen Einfluß auf die Randschärfe von Okularen. Sehr viele Okulare bilden bei f10 wunderbar randscharf ab, haben dann aber bei lichtstarken Systemen mit f6 bis f4 nur mehr ein kleinen scharfen Bereich in Gesichtsfeldmitte und sind nahe dem Rand oft völlig unbrauchbar.

Je nach Teleskoptyp, Einsatzbereich sowie persönlichen Eigenschaften und Vorlieben des Beobachters werden daher ganz unterschiedlichen Okulartypen bevorzugt.

Hier geht es nun um ein Okular der RKE-Serie von Edmund-Optics. "RKE" steht dabei für "Reversed Kellner", ein umgekehrtes Kellner-Design also, bei dem die Feldlinse achromatisch ist. Durch die geringe Linsenanzahl in Verbindung mit modernem Mulitcoating auf allen optischen Flächen kann man eine sehr gute Transmission erwarten, was sich in der Praxis auch bestätigt hat. Natürlich habe ich das Okular genauer unter die Lupe genommen und auch zerlegt.

Folgende Punkte sind mir dabei aufgefallen:

Der Einblickbereich ist zwar schwarz, aber glänzend lackiert. Das könnte bei Beobachtungen in der Nähe von Lichtquellen (zb. Straßenbeleuchtung) störende Reflexe auf der Augenmuschel geben. Eine Augenmuschel ist nicht vorhanden, dafür aber liegen die Linsen etwas vertieft im Gehäuse.. Ich selbst habe diesen Bereich mit Schultafellack übermalt, damit er matt wird. Das kann man, muß man jedoch nicht unbedingt machen. Blickt man in den Okualartubus so fällt auf, daß auch das Tubusinnere nicht absolut matt ist, ebenso die Abstandshülse zwischen Feldlinse und Augenlinse, wie bei den meisten Okularen. Diese Teile habe ich ebenfalls nachträglich mattiert.

Auch die Linsenkanten sind nicht geschwärzt, dies kann man aber leicht mit einem Eddingstift nachholen. Inwiefern sich diese Modifizierungen in der Praxis auswirken kann ich nicht exakt beurteilen, da ich keinen direkten Vergleich gemacht habe. Als ich auf die Idee eines solchen Vergleiches kam, hatte ich leider schon die beiden 12mm Okulare nachbearbeitet.. Die 8mm habe ich belassen, da sie wieder an Edmund-Optics zurückgingen, zeigten aber auch ohne diese Modifikationen keinerlei Reflexe an hellen Objekten. Ich nehme daher an, daß diese Modifikationen nicht wirklich notwendig sind.

Reversed Kellner Design

Nachdem dieser Okulartyp bei einem amerikanischen Vergleichstest nur von den legendären Zeiss Abbé geschlagen wurde, wollte ich mich unbedingt selbst von der hohen Qualität überzeugen. Bei der Firma Edmund-Optics-Deutschland war man sofort bereit mir die Okulare kostenlos zum Test zuzusenden. Über einen Monat lang hatte ich die Okulare zum Testen, leider war in dieser Zeit nur eine einzige Nacht für einen aussagekräftigenTest geeignet und auch das nur für kurze Zeit, da es schon nach 2 Stunden wieder Bewölkung aufzog.

Verglichen wurden das 12mm RKE mit einem 12mm Vixen LV und das 8mm RKE mit einem 8,3mm Olympus von Gerd Neumann. Der Vergleich zwischen RKE und Vixen LV hat nicht besonders viel Aussagekraft. Es war von vornherein klar, daß hier vor allem in der Farbtreue das RKE überlegen sein wird. Interessant war aber der Vergleich der Schärfe und des Kontrastes, ich fasse diese beiden Begriffe gerne als "Detailerkennbarkeit" zusammen, da es letztendlich darum geht, welches Okular die meisten Details zeigt, wobei hier vor allem schwachkontrastige Details gemeint sind. Interessanter noch war der Vergleich des 8mm RKE mit dem 8,3mm Olympus von Gerd Neumann. Diese speziellen Olympusokulare sind mittlerweile anerkannte Top-Planetenokulare. Ich konnte Sie selbst in einem größeren Vergleichstest gegen etliche andere Okulare testen und dabei eine sehr hohe Qualität feststellen.

Test

Nun zum eigentlichen Test. Als Gerät diente mir ein 120/1000mm Fraunhofer von Synta, dessen Optik sehr ordentlich und auf jeden Fall besser als beugungsbegrenzt ist. Dieses Gerät habe ich mit einer mattschwarzen Blende auf 80mm Öffnung abgeblendet. Die resultierende 80/1000er Optik ist fast frei vom Farblängsfehler und bildet scharf und kontrastreich ab. An diese Optik habe ich einen 60°-BaaderBinokularansatz angesteckt um immer zwei Okulare direkt nebeneinander vergleichen zu können. So dauert der Blickwechsel von einem Okular zum anderen nur ein paar Sekunden und ein Vergleich ist viel leichter möglich, als beim Wechseln der Okulare an einem Zenitspiegel. Vor den Binokularansatz kam noch ein 1,6x Glaswegkorrektor, um eine höhere Vergrößerung zu erreichen. Testobjekt war Saturn mit seinen besonders schwachen Wolkenbändern und Zonen. Das Seeing war mit 7/10 recht gut.

12mm RKE vs. 12mm LV (V=133x):

in beiden Okularen war die Cassiniteilung sofort umlaufend zu sehen, also auch direkt vor dem Planeten. Ebenso der Schatten des Planeten auf dem Ring und der C-Ring vor dem Planeten. Das RKE zeigte Saturn mit sehr schönen natürlichen Farben. Das südliche Äquatorband (SEB) zeigte einen schönen Braunton, die Polarregion war bräunlichgrau. Die Ringe hell und fast weiß, der A-Ring etwas gelblicher. Wie zu erwarten bekam Saturn vom Vixen LV einen deutlichen Gelbstich verpasst. In der Detailerkennbarkeit konnte ich aber keinen Unterschied feststellen, das LV zeigte dieselben Details wie das RKE, nur eben in einem gelblicheren Farbton. An den Saturnmonden war aber zu bemerken, daß das RKE eine bessere Transmission haben muß. Die beiden Monde Tethys und Dione waren in beiden Okularen sichtbar, Dione etwas schwieriger als Tethys. Im RKE konnte ich Dione aber konstant halten, im LV hingegen verlor ich Dione ab und an. Der Unterschied ist zwar nicht weltbewegend, dürfte aber doch bei etwa 0,2 Größenklassen liegen. Für Deepksy-Beobachter vielleicht ein interessanter Punkt, wenn es darum geht schwächste Galaxien an der Leistungsgrenze von Gerät und Beobachter auszumachen.

8mm RKE vs. 8,3mm Olympus (V=200x/193x):

Bei diesem Vergleich war Vorsicht angebracht, da das 8,3mm Olympus doch etwas weniger Vergrößerung bringt. Der Unterschied ist zwar gering, aber sichtbar. Ich konnte jedoch trotzdem keinen Unterschied an der Detailfülle erkennen. Beide Okulare zeigten exakt dieselben Details mehr oder weniger deutlich. Auch an der hartkontrastigen Cassiniteilung war kein Unterschied zu beobachten. Die Farbtreue war in beiden Okularen dieselbe, auch das Olympus zeigte ein helles und sehr schönes Satunbild ohne erkennbaren Farbton. Die Randschärfe und das Einblickverhalten des Olympus ist aber besser, weshalb ich mich entschieden habe dieses zu behalten und das 8mm RKE wieder zurückzusenden. Dazu sei aber angemerkt, daß man dieses angenehme Einblickverhalten und die bessere Randschärfe mit dem doppelten Preis gegenüber dem RKE bezahlen muß. Das Olympus ist ja eine Barlowkonstruktion, daher waren diese Unterschiede zu erwarten. Das Olympus beweist damit, daß ein Okular mit integrierter Barlowlinse ebenfalls top sein kann.

Allgemeines:

Die Randschärfe der RKE-Okulare ist mit jener von normalen Plössl-Okularen vergleichbar. Uneingeschränkt nutzbar ist bei f8 das innere Drittel des Gesichtsfeldes, bei f10 etwas mehr, bei f5 aber noch weniger. In der Planetenbeobachtung spielt dieser Faktor jedoch nur für Dobson-Besitzer eine Rolle, die den Planeten durch das Gesichtsfeld wandern lassen müssen. Ansonsten ist diese Randunschärfe bedeutungslos. Ebenso die Verzeichnung, die vor allem beim 8mm RKE nicht gering und etwa mit jener vom TAL-Plössl vergleichbar ist. Das Einblickverhalten ist gut, eine stabile Beobachtungsposition aber vorzuziehen um leichter auf der optischen Achse bleiben zu können. Für Brillenträger sind die RKE nicht geeignet, dazu ist der Augenabstand auf jeden Fall zu gering. Beim 12mm beträgt er 10,7mm und beim 8mm ist er mit 8,2mm noch geringer. Zuwenig also, um mit Brille beobachten zu können, für Normalsichtige aber durchaus noch angenehm. Man klebt nicht mit den Augen auf der Linse, wie es bei Orthos oder Plössls dieser Brennweiten der Fall wäre. Das scheinbare Gesichtsfeld ist mit 45° eher klein, aber für Planetenbeobachtung natürlich völlig ausreichend. Bisheriges Fazit: die RKE-Okulare von Edmund-Optics gehören zum Besten, was man als Planetenbeobachter bekommen kann. Und das zu einem sehr interessanten Preis!

Dieser Testbericht ist nur vorläufig und noch nicht abgeschlossen, da ich die RKE-Okulare weiterhin an anderen Geräten und mit anderen Okularen vergleichen werde. Alle meine hier dargelegten Eindrücke sind natürlich sehr subjektiv und ersparen niemandem den Test am eigenen Gerät.

zum Vergleichstest bei Cloudy Nights_>
Hochwertige Planetenokulare_>

Edmund-Optics Deutschland Homepage_>
RKE-Okulare bei Edmund-Optics_> (m. Datenblatt)

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Germany
Phone: +49-(0)721-6273730
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