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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

High-End Planetenokulare - 2. Teil

(direkt zum 1. Teil)

Supermono
TMB - Supermonozentrisch
RKE
RKE Edmund Opics
Kasai
Kasai HD- u. Classical Ortho
TS-Superplössl
TS - Superplössl
Barium
10mm Super - Barium
MN78
Intes-Micro MN78

 

getestete Okulare:

 

Testbedingungen:

Verwendete Geräte: - Intes-Micro MN78 Maksutov-Newton - GSO 200mm f4 Newton - 102mm f15 SkyWatcher MakCass Travelmax

Testlocations: - Saalbach/Hinterglemm, GH 6.0m - Wien City, GH 4.8m

FINISH, STUFF

(1=Sehr gut, 5=schlecht):

- 15mm TS-Superplössl: Gummiaugenmuschel, schlechte Griffigkeit, Beschriftung gut lesbar, keine Sicherungsnut; Gesamtnote: 4
- 12.5mm Kasai Classical Ortho: keine Gummiaugenmuschel, gute Grifigkeit, Beschriftung gut lesbar, keine Sicherungsnut; Gesamtnote: 3
- 12mm Kasai HD Ortho: Gummiaugenmuschel, schlechte Grifigkeit, Beschriftung gut lesbar, Sicherungsnut; Gesamtnote: 2
- 12mm RKE Edmund Optics: keine Gummiaugenmuschel, gute Grifigkeit, Beschriftung gut lesbar, keine Sicherungsnut; Gesamtnote: 3
- 10mm Super Barium: Gummiaugenmuschel, gute Grifigkeit, Beschriftung schlecht lesbar, keine Sicherungsnut; Gesamtnote: 4
- 10mm TMB Super-Monozentrisch: keine Gummiaugenmuschel, gute Grifigkeit, Beschriftung schlecht lesbar, Sicherungsnut; Gesamtnote: 3
- 9mm Kasai Classical Ortho: keine Gummiaugenmuschel, gute Grifigkeit, Beschriftung gut lesbar, keine Sicherungsnut; Gesamtnote: 3
- 9mm Kasai HD Ortho: Gummiaugenmuschel, schlechte Grifigkeit, Beschriftung gut lesbar, Sicherungsnut; Gesamtnote: 2
- 6mm Kasai Classical Ortho: keine Gummiaugenmuschel, gute Grifigkeit, Beschriftung gut lesbar, keine Sicherungsnut; Gesamtnote: 3
- 6mm Kasai HD Ortho: Gummiaugenmuschel, schlechte Grifigkeit, Beschriftung gut lesbar, Sicherungsnut; Gesamtnote: 2

FARBTON

bei Durchsicht gegen Himmel:

- 15mm TS-Superplössl: neutral
- 12.5mm Kasai Classical Ortho: neutral
- 12mm Kasai HD Ortho: neutral-kühl
- 12mm RKE Edmund Optics: kühl
- 10mm Super Barium: neutral
- 10mm TMB Super-Monozentrisch: kühl
- 9mm Kasai Classical Ortho: neutral-kühl
- 9mm Kasai HD Ortho: neutral-kühl
- 6mm Kasai Classical Ortho: neutral
- 6mm Kasai HD Ortho: neutral-kühl

RANDSCHÄRFE bei F15

(Anteil einwandfreier Schärfe am sch. Gesichtsfeld):

- 15mm TS-Superplössl: 100%
- 12.5mm Kasai Classical Ortho: 100%
- 12mm Kasai HD Ortho: 100%
- 12mm RKE Edmund Optics: 100%
- 10mm Super Barium: 60%
- 10mm TMB Super-Monozentrisch: 100%
- 9mm Kasai Classical Ortho: 100%
- 9mm Kasai HD Ortho: 100%
- 6mm Kasai Classical Ortho: 100%
- 6mm Kasai HD Ortho: 100%

RANDSCHÄRFE bei F8

(Anteil einwandfreier Schärfe am sch. Gesichtsfeld):

- 15mm TS-Superplössl: 90%
- 12.5mm Kasai Classical Ortho: 100%
- 12mm Kasai HD Ortho: 100%
- 12mm RKE Edmund Optics: 90%
- 10mm Super Barium: 60%
- 10mm TMB Super-Monozentrisch: 100%
- 9mm Kasai Classical Ortho: 100%
- 9mm Kasai HD Ortho: 100%
- 6mm Kasai Classical Ortho: 100%
- 6mm Kasai HD Ortho: 100%

RANDSCHÄRFE bei F4

(Anteil einwandfreier Schärfe am sch. Gesichtsfeld):

- 15mm TS-Superplössl: 60%
- 12.5mm Kasai Classical Ortho: 80%
- 12mm Kasai HD Ortho: 80%
- 12mm RKE Edmund Optics: 60%
- 10mm Super Barium: 30%
- 10mm TMB Super-Monozentrisch: 70%
- 9mm Kasai Classical Ortho: 80%
- 9mm Kasai HD Ortho: 80%
- 6mm Kasai Classical Ortho: 80%
- 6mm Kasai HD Ortho: 80%

DIREKTER VERGLEICH 1:

12,5mm Kasai Classical Ortho - 12mm RKE Edmund Optics:

das 12mm RKE ist etwas angenehmer im Augenabstand, der Einblick ist beim Kasai etwas weniger empfindlich auf Kopfbewegung. Für einen geübten Planetenbeobachter sind diese Unterschiede aber ohne Belang. Bei der Beobachtung des Mars war das RKE, was den Kontrast der Abbildung betrifft leicht im Vorteil. Dunkle Regionen traten etwas besser hervor, auch der Saum um die Polkappe war im RKE etwas kräftiger. Das Kasai Classical zeigt einen etwas wärmeren Farbton, das RKE hat ein sehr kühl wirkendes Bild.

DIREKTER VERGLEICH 2:

10mm Super Barium - 10mm TMB Super-Monozentrisch:

Das TMB hat die deutlich kleinere Feldblende, wodurch alleine schon ein Vorteil in Sachen Streulicht besteht. Der Test auf Streulicht an Arkturus, Wega, Mizar und Mars, sowie an einer hellen Straßenlampe ergab nur minimale Unterschiede und war nur im Maksutov-Newton sichtbar. Das TMB zeigt die Beugungsringe sowie nahe den hellen Sternen stehende schwächere Sterne einen Hauch deutlicher. An M13 konnte kein Unterschied bei der Auflösung in Einzelsterne festgestellt werden. Das kleine Gesichtsfeld des TMB macht sich hier aber bald störend bemerkbar, da schon bei relativ geringer Vergrößerung M13 nicht mehr ganz ins Gesichtsfeld passt. Der Einsatzbereich des TMB ist in Sachen Deepsky also auf sehr kleine Objekte wie Galaxien und Quasare beschränkt. Wunderbar groß hingegen das Gesichtsfeld des Super-Barium, welches man durch Entfernen der Feldblende auf fast 70° erweitern kann, allerdings mit entsprechend geringer Randschärfe. Am Planeten Mars zeigte das TMB das etwas knackigere und kontrastreichere Bild. Aber auch hier war der Unterschied erstaunlich gering. So zeigt das Super-Barium immer noch ein besseres Bild als das Kasai Classical. Erst das Kasai HD ist dem Super-Barium etwas überlegen. Erstaunlich gut ist der Einblick des TMB. Es ist möglich das gesamte Gesichtsfeld ohne Berührung des Okularkörpers mit den Wimpern zu überblicken. Ich würde das Einblickempfinden etwa dem eines 15mm Plössls, oder eines 12mm RKE gleichsetzen.

DIREKTER VERGLEICH 3:

6mm Kasai HD-Ortho - 6mm Kasai Classical Ortho:

Die Multivergütung des neuen HD-Orthos auf allen optischen Flächen macht sich nicht nur im Preis, sondern auch in der Praxis positiv bemerkbar. Zwar zeigt auch das klassische Kasai an hellen Sternen und Planeten keine Reflexe, jedoch ist das Bild im HD-Ortho kontrastreicher und härter. Auch der Farbton ist etwas kühler, ähnlich wie der des Edmund RKE. Details auf Mars erscheinen im HD-Ortho sauberer definiert, im klassischen Ortho ist auch der Lichthof um den Planten etwas deutlicher, das Streulicht also größer. Erstaunlicherweise ist trotz der flachen Form der Einblick in das HD-Ortho angenehmer, als beim konisch geformten klassischen Ortho. Grund ist die höhere Lage der Augenlinse des HD-Orthos. Während beim klassischen Ortho die Augenlinse etwa 2-3mm tief im Korpus liegt, liegt die Augenlinse beim HD-Ortho nur knapp einen Millimeter tief. Sehr angenehm ist auch die beim HD-Ortho mitgelieferte Gummiaugenmuschel.

DIREKTER VERGLEICH 4:

12,5mm Kasai HD-Ortho - 12mm RKE Edmund Optics:

die unterschiedliche Brennweite macht einen direkten Vergleich an Details auf Mars nicht möglich. Das RKE zeigte aufgrund der höheren Vergrößerung auch mehr Detail. Begutachtet man aber nur die Qualität des Bildes selbst sowie Streulicht, kann kein Unterschied festgestellt werden. Beide Okulare liefern ein kontrastreiches, hartes und kühles Bild, das in jeder Hinsicht vollauf zurfriedenstellt. Lediglich das Gesichtsfeld ist bei den RKE deutlich größer, etwas 50° zu 45°. Für den Planetenbeobachter jedoch kein wirkliches Kriterium.

DIREKTER VERGLEICH 5:

10mm TMB Super-Monozentrisch - 9mm Kasai HD-Ortho:

wiederum ein schwieriger Vergleich, da die erziehlten Vergrößerungen doch deutlich differieren. Wie erwartet zeigte daher das HD-Ortho auch mehr Details auf Mars. Das Bild war im TMB entsprechend der geringeren Vergrößerung eine Spur knackiger. In Sachen Streulicht war das TMB ebenfalls leicht im Vorteil, hier konnte brauchte es aber auch wieder den Maksutov-Newton, um einen eindeutigen Unteschied feststellen zu können. Insgesamt waren die Unterschiede sehr gering bis minimal und in den qualitativ schlechteren geräten nicht eindeutig festzumachen.

SCHLUSSBETRACHTUNG - EMPFEHLUNG:

Das alle getesteten Okular in der Performance so knapp beieinanderliegen, hatte ich anfangs nicht vermutet. Die Hauptunterschiede liegen nicht etwa bei Schärfe und Kontrast, sondern mehr im Gesichtsfeld und vor allem im Preis. Es zeigt sich, daß echtes Mulitcoating auf allen Flächen Vorteile gegenüber dem einfacheren MgF2-Coating bringt, diese jedoch nicht wirklich groß sind und nur für wirklich sehr kritische Augen von Bedeutung sind. Ich wage zu behaupten, daß Einsteiger und auch weniger geübte Beobachter zw. allen hier getesteten Okularen keinen Unterschied in der Bildqualität bemerken würden. Auch sind die Unterschiede im allgemeinen so gering, daß sie in den qualitativ weniger guten Geräten kaum oder gar nicht feststellbar waren. Und nur unter sehr guten Testbedingungen treten die feinen Unterschiede dann auch einigermaßen deutlich hervor.

Plazierung der Okulare nach Abbildungsqualität:

1. TMB Super-Monozentrisch
2. RKE Edmund Optics
3. Kasai HD-Ortho
4. Super-Barium
5. Kasai Classical-Ortho

- das TMB Super-Monozentrisch hat mit recht Anspruch auf den ersten Rang unter den Planetenokularen. Kontrast und Schärfe sind maximal. Der Vorsprung zu den anderen Okualaren ist aber sehr gering, um nicht zu sagen minimal und sicher ü berhaupt nur von sehr erfahrenen und kritischen Beobachtern wahrnehmbar. Dieser minimale Vorsprung will mit einem hohen Preis und sehr kleinem Gesichtsfeld erkauft werden. Ich würde dieses Okular daher wirklich nur jenen Planetenbeobachtern empfehlen, die auch nicht ein Prozent Leistung ihres Gerätes verschenken wollen. Der Einsatz dieses Okulares lohnt auch nur bei qualitativ sehr hochwertigen und auch absolut exakt justierten Geräten die nicht unter Tubusseeing leiden. Andernfalls geht der minimale Unterschied völlig in den anderen, bedeutenderen Faktoren unter.

- den zweiten Platz erklimmt das RKE von Edmund Optics Deutschland, eigentlich gemeinsam mit dem Kasai HD-Ortho, welches nur wegen dem kleineren Gesichtfeld auf Platz drei gerutscht ist. Die beiden Okulare könne praktisch nur in diesem einen Punkt unterschieden werden. Jenen, die sich außer für Planeten auch noch für Deepsky interessieren, würde ich eher das RKE empfehlen, denn die 5° mehr an scheinbarem Gesichtsfeld machen sich hier sehr positiv bemerkbar. Auch ist der Preis des RKE etwas geringer, Preis/Leistung daher etwas besser.

- fast unverdient auf dem dritten Platz befindet sich das ausgezeichnete HD-Ortho von Kasai. Optisch in der Leistung praktisch völlig identisch mit dem RKE, gehört es ebenfalls zu den absoluten Top-Planetenokularen. Wer auf das seit Jahrzehnten bewährte orthoskopische Design setzen will, dem sei dieses hervorragende Okular ans Herz gelegt.

- durch das mit Abstand beste Preis-Leistungsverhältnis erfreut das 10mm Super-Barium nicht nur den Einsteiger, sondern noch viel mehr den versierten Planetenbeobachter. Meist als Grundausstattung von Billiggeräten enthalten, wird es oft völlig zu unrecht als billig oder gar geringwertig eingeschätzt. In Wahrheit handel es sich um ein reinrassiges Planetenokular, daß den anderen hier getesteten Okularen in fast nichts nachsteht und zudem noch, nach entfernen der Feldblende, ein wahrhaft riesiges Gesichtsfeld von fast 70° bietet! Somit ist es gleichzeitig auch das günstigste Weitwinkelokular überhaupt, mit gleichzeitig hervorragender Leistung am Planeten.

- der unglückliche letzte Platz wird vom klassischen Kasai-Ortho eingenommen. Die Performance ist von allen getesteten Okularen die geringste, wobei aber von gering wirklich keine Rede im absoluten Sinn sein kann. Auch dieses Okular ist ein sehr gutes Planetenokular, das aber wahrscheinlich vom Aussterben bedroht ist. Es wird vom neuen HD-Ortho abgelöst. Besitzer des alten Kasai-Orthos sollten aber nur umsteigen, wenn Sie bei der Planetenbeobachtung absolut keine Abstriche machen wollen. Wer noch keine hochwertigen Planetenokulare besitzt, sollte lieber gleich zum neuen HD-Ortho greifen, oder eines der anderen hier beschriebenen besseren Okulare erstehen.

- noch ein Wort zum 15mm TS-Superplössl. Ein direkter Vergleich mit den anderen Okularen war wegen der stark abweichenden Brennweite nicht möglich. Rein vom Eindruck der Bildqualität her würde ich es etwa mit dem klassischen Kasai gleichsetzen. Es ist frei von Reflexen, zeigt einen sehr neutralen bis kühlen Farbton und auch der Kontrast ist einwandfrei. Zu verdanken ist das sicherlich der sehr guten Multivergütung auf allen optischen Flächen.

Alle Okulare lassen sich noch problemlos an einem Binokularansatz einsetzen. Selbst bei den 6mm Kasai-Orthos ist der Einblick und Augenabstand dafür noch gut bzw. groß genug.

Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, daß ein Test von Okularen immer auch sehr subjektiv ist. Während der eine Beobachter auch noch mit 4mm Augenabstand gut zurechtkommt, wirft ein anderer schon unter 10mm die Nerven weg. Auch die Fähigkeit während des Beobachtens die Kopfposition korrekt und ruhig halten zu können ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Alle hier getesteten Okulare sind auf Schwankungen mit dem Kopf sicherlich empfindlicher als zb. ein Pentax XL oder Nagler-Okular. Nicht zuletzt auch deswegen sollte die Planetenbeobachtung im Sitzen durchgeführt werden. Ebenso ist die Empfindlichkeit auf Kontrastunterschiede je nach Beobachter verschieden. Dazu kommen noch Faktoren wie Übung im teleskopischen Sehen, die Tagesverfassung, unterschiedliche äußere Bedingungen usw. Auch bringt ein Okulartest an unterschiedlichen Teleskopen durchgeführt, je nach Teleskop leicht differierende Ergebnisse. Öffnungsverhältnis und Bildfeldwölbung sind hier die wichtigsten Faktoren.

Aus allen diesen Gründen ist auch dieser Okulartest nicht mehr als ein grober Anhaltspunkt, der bei einem bevorstehenden Okularkauf vielleicht die Auswahl etwas einzuschränken hilft, oder auch einfach nur als Vergleich mit eigenen Beobachtungen dienen mag.

Links zum Thema:

Vergleich Kasai HD Orthos - Klassische Orthos bei Cloudynights
Planetenokulare Teil 1 bei Cloudynights
Planetenokulare Teil 2 bei Cloudynights
Vergleich Kasai-Ortho gegen Plössls bei Cloudynights
Test RKE Edmund Optics
Test Planetenokulare Teil 1

 

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