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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

Die Planetenfilter Baader-Skyglow und Sirius-PC1 im Vergleich

 

Testbedingungen:

Wien, Seeing:3/5, Geräte: 4"/f5 FH Synta, 8"/f10 SC Meade, Baader Binokularansatz 60°, Baader Sonnenfilterfolie

1. Sonne:

Durch den tiefen Stand der Sonne war die Unruhe entspechend groß, trotzdem konnte ich den Filter gut testen. Bei V=60x, der höchsten sinnvollen Vergrößerung, war der Kontrast mit Filter etwas schlechter als ohne. Das Bild der Sonne wurde für meinen Geschmack auch ein wenig zu dunkel. Das Bild war ohne Filter angenehmer von der Farbe und ich konnte die kleinsten Flecken etwas leichter erkennen als mit Filter.

Die Fackeln kamen ohne Filter auch deutlicher heraus. Der Filter färbt generell jedes Objekt hellgrün ein, was aber an sich nicht stört, denn schließlich gehts ja um Kontrasterhöhung und nicht um schöne Farben. Hier bei der Sonne bringt er aber keinen Vorteil. Zumindest nicht bei den verwendeten 4" Öffnung, der wahrscheinlich meistverwendeten Öffnung bei der Sonnenbeobachtung. Allerdings beseitigt der Filter den Farbfehler des schnellen Refraktors praktisch völlig. Zumindest visuell.

Mein mittlerer Gelbfilter schafft das aber genauso und steigert auch an der Sonne den Kontrast deutlich. Das gelbe Sonnenbild ist auch angenehmer zu betrachten. Mein Fazit: an der Sonne bringt der PC1 nichts, er verschlechtert den Kontrast ein klein wenig und bei geringer Öffnung wird das Bild eine Spur zu dunkel.

2. Mond (Seeing 3-4/5):

Wunderschön präsentierte sich die Sichel des Mondes im Alter von 6 Tagen. Bei V=60x hat der Mond im 4"FH bereits einen leichten Blausaum, der mich persönlich aber noch nicht stört. Der PC1 beseitigt ihn völlig, visuell ist der Mondrand dann absolut farblos. Der Kontrast wird jedoch nicht besser, aber auch nicht schlechter. Ein wenig kalt wirkt das Bild durch die hellgrüne Einfärbung. Dank dem Binokular hatte ich die Möglichkeit direkt nebeneinander mit und ohne Filter zu vergleichen. Am besten schnitt dabei wieder der Gelbfilter ab. Er beseitigt den Farbfehler ebenfalls und erhöht ein weinig den Kontrast. Gleichzeitig erscheint der Mond in einem schönen warmen Gelbton.

Im 8"SC habe ich bei V=100x an der Ariadaeus-Rille und an den Details im Krater Posidonius den Filter getestet und auch direkt mit dem Skyglow verglichen. Dabei war die Ariadaeus-Rille ohne jeden Filter am deutlichsten zu sehen. Der PC1 verringerte merklich die Helligkeit, bei dieser Phase aber ohne Vorteil, und zeigte häufig Reflexe, die das Bild ein wenig trübten. Insgesamt wurde dadurch der Kontrast eine Spur geringer.

Das Skyglow-Filter dunkelte nicht so sehr ab, ließ aber auch keinen Vorteil erkennen. Ich hatte eher den Eindruck ein wenig an Kontrast zu verlieren. Auch im Krater Posidonius konnte ich ohne Filter die meisten Strukturen erkennen. Allein der Gelbfilter zeigte genausoviele Details wie filterlos zu sehen waren. Mehr brachte er aber auch nicht zum Vorschein. So genoss ich den Mond auch noch eine Weile, bis die nächste Wolkenbank anrückte.

Mein Fazit: am Mond bringt der PC1 keine Verbesserung. Auch nicht für Fraunhofers, den Farbfehler unterdrückt ein Gelbfilter ebenso und das ohne störende Reflexe. Im SC konnte ich mit PC1 eine eindeutige Reduzierung des Kontrastes feststellen. Im Fraunhofer veränderte sich der Kontrast nicht, es störten aber bei beiden Teleskopen die Reflexe.

3. Saturn (Seeing 3-4/5):

Im 4"FH konnte ich bei V=150x die Cassiniteilung fast umlaufend und auch locker das Äquatorband sehen. Auf dieses konzentrierte ich mich auch beim Filtertest. Ohne Filter war der Farbfehler schon störend, der PC1 beseitigte ihn völlig. Dadurch nahm natürlich die Schärfe des Planetenbildes zu und die Cassiniteilung war deutlicher zu sehen. Das Bild war noch nicht zu dunkel und das Äquatorband kam auch ein bischen besser heraus.

Nun wechselte ich zum Gelbfilter. Auch dieser beseitigte den Farbfehler, dunkelte das Bild aber viel weniger ab, und brachte das Äquatorband kräftiger als der PC1. Dafür war im PC1 die Cassiniteilung am besten zu sehen. Im 8"SC bei V=100x habe ich im Binokular den PC1 direkt mit dem Skylow verglichen, wobei ich aber immer mit dem rechten Auge beobachtet habe, da dieses bei mir besser trainiert ist. Ohne Filter konnte ich die Monde Titan, Rhea, Thetis u. Dione sehen (V=100x). Im Skyglow nur mehr Titan und Rhea, im PC1 auch Rhea nicht mehr. Der Gelbfilter Nr.12 ließ immer noch alle Monde erkennen. Das nur kurz um eine Vorstellung von der Lichtabschwächung der Filter zu bekommen.

Der Kontrast war im Skyglow am besten. Das Äquatorband kam etwas besser heraus als ohne Filter und der ganze Planet erschien insgesamt am knackigsten. Auch der Gelbfilter hob den Kontrast, aber nicht so gut wie der Skyglow. Der PC1 verbesserte das Bild nicht, machte es aber auch nicht schlechter. Reflexe waren hier mit PC1 keine mehr zu sehen.

Mein Fazit: bei Saturn bringt der PC1 im Fraunhofer eine merkbare Verbesserung. Das ist erstens auf die Unterdrückung des Farbfehlers zurückzufüren und zweitens steigt durch die Abdunklung der Kontrast zwischen hellen und dunklen Bildteilen (Cassiniteilung, Planetenrand). Daher ist hier im PC1 das Saturnbild auch am schärfsten. Der Gelbfilter zeigt dafür das Äquatorband ein bischen besser. Im Spiegelteleskop konnte der PC1 natürlich nicht durch Reduzierung des Farbfehlers punkten, daher bewirkte er keine Veränderung des Bildes, abgesehen von der Abdunkelung.

4. Jupiter (Seeing 3/5):

Der Refraktor zeigte sich wieder von seiner besten Seite und zeigte bei selber Vergrößerung nicht sehr viel weniger Details als das SC. Am besten schnitt der Gelbfilter ab. Nur mit ihm konnte ich die Bucht des GRS nahe am p-Rand eindeutig erkennen. Auch der Ganymed-Schatten hatte einen besseren Kontrast zur STZ als unter Verwendung des PC1. Wieder erzeugte der PC1 einen störenden Reflex. Der PC1 dunkelt zwar die Bänder sehr gut ein, aber durch die große Gesamtabdunkelung verliert Jupiter doch ein wenig zuviel an Helligkeit. Ich vermute das der PC1 erst in größeren Geräten den Kontrast ein wenig steigert.

Im 8"SC bei V=100x bemerkte ich eine leichter Verbesserung des Kontrastes zwischen Bändern und Zonen bei Verwendung des PC1-Filters. Möglicherweise auch ein Effekt der Abdunkelung. Knoten im NEB waren etwas besser zu erkennen als ohne, ebenso der Rand der GRS-Hollow. Am GRS selbst bemerkte ich keine Veränderung, was Aufgrund dessen Farblosigkeit auch zu erwarten war.

Der Skyglow verbesserte ebenfalls ein wenig die Detailerkennbarkeit, der PC1 war aber einen Deut besser. Beide Filter verbesserten den Kontrast aber nur sehr gering im Vergleich zum filterlosen Bild. Ich denke das die Abdunkelung des doch recht hellen Jupiterscheibchens der Hauptgrund dafür ist.

Leider zeigte der PC1 bei Jupiter wieder einen hellen zentralen Reflex der erst bei größerem Abstand des Auges von der Austrittspupille verschwand. Schade, denn dieser herumtanzende Reflex lenkt definitiv von der konzentrierten Beobachtung ab.

5. Doppelsterntest Castor:

Zuletzt wollte ich noch wissen, ober der PC1 bei hellen Doppelsternen Vorteile bringt und in welchem Maß er beim Fraunhofer den Farbfelhler unterdrückt. Ich stellte Castor (2,3") mit dem 4" FH bei V=75x ein und konnte ihn auch ohne Filter problemlos trennen. Mit PC1 wurden die beiden Komponenten schön abgedunkelt und der Farbfehler war bis auf einen minimalen Rest nicht mehr zu sehen. Dadurch wurde der Abstand der Komponenten scheinbar größer.

Ich probierte nun noch den Gelbfilter, der den Farbfehler ebenso beseitigte aber weniger abdunkelte. Diesen kann man also auch für schwächere Doppelsterne gewinnbringend einsetzen, den PC1 würde ich nur für ein helles Paar verwenden.

 

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals sehr bei Markus Ludes (www.apm-telescopes.de) bedanken, der mir den PC1-Filter kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt hat.

Kaufempfehlung Ja/Nein kann und will ich an dieser Stelle keine abgeben, da die Performance eines solchen Filters von vielen Faktoren abhängt. So könnte es sein, das der PC1 bei noch besserem Seeing (1-2) zeigt was er kann. Ebenso ist auch das Gerät, die Qualität und auch die Bauart desselben stark entscheidend. Bereits ich konnte feststellen, das ein und derselbe Filter am schnellem FH und f10/SC komplett andere Ergebnisse bringt.

Mein Schlußwort: keinen Filter einfach kaufen, ohne ihn vorher am eigenen Gerät getestet zu haben.

 

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