Kontakt
Sitemap
Startseite
binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

70/700mm Skylux Refraktor, Lidl-Scope, Taufname "Pfischzei"

Nachdem ich am Gebrauchtmarkt einen neuwertigen Lidl-Refraktor erstanden hatte und an demselben alle notwendigen Umbauarbeiten abgeschlossen waren, hatte ich heute Nacht endlich Gelegenheit das Gerät in der Praxis zu testen. Gleich vorweg gesagt: ich war sehr positiv überrascht!

Hier die Details: begonnen habe ich mit Saturn. Bei 70fach (10mm Celestron-Plössel) war die Cassiniteilung in den Ansen bereits zu erkennen. Das Seeing war zu diesen Zeitpunkt ziehmlich gut (2/5, n. Antoniado). Da sollte natürlich mehr drin sein. So war es auch. Mit dem wirklich guten 8,3mm Olympus-Okular (v. Gerd Neumann) und einer Celestron Ultima-Barlow konnte ich bei 170fach die Cassiniteilung fast umlaufend beobachten. Der Schatten des Planeten am Ring und das Südliche Äquatorband waren sowieso kein Thema und einfach und deutlich zu erkennen. Damit war ich schonmal sehr zufrieden.

Auch bei Jupiter kam wahre Freude auf. Deutlich vier Bänder, das SEB zweigeteilt, die Polregionen schön dunkel abgehoben und zwei Knoten im NEB sprangen mir ins Auge. Erst ab 140fach war ein leichter Blausaum vorhanden, darunter praktisch nicht. Mit einem leichten Gelbfilter war der Kontrast noch etwas besser.

Nun wollte ich wissen, was das Gerät an Doppelsternen zustande bringt. Zuerst mal Castor einstellen, eh klar, der kommt im Winter immer als erstes an die Reihe. Natürlich kein Problem, bei 4" Abstand ist er im Lidl schon bei 70fach klar getrennt. Ungeduldig wie ich nunmal bin, ging ich gleich auf's Ganze. My Draconis 5m7/5m7/1,95" bei nur 30° Höhe ü. Horizont sollte nicht leicht sein. In ruhigen Momenten war er aber eindeutig getrennt nach Rayleigh. Das hat mich wieder ein wenig überrascht, denn damit war die theoretische Grenze eigentlich schon erreicht (13,8/7=1,97). Nun wollte ich natürlich noch mehr! Also weiter zu Xi UMa 4m3/4m8/1,8". Der stand wesentlich höher, war aber auch schwieriger zu trennen. Nach dem Dawes-Kriterium hab ich's geschafft, die zwei Beugungsscheibchen waren eine schöne 8 und auch der geringe Helligkeitsunterschied war zu erkennen. Jetzt wurde ich übermütig. Bei 57 Cnc hätte es aber schon ein physikalisches Wunder gebraucht, um ihn auch nur nach Dawes zu trennen. Mit 6m0/6m4/ in 1,4" Distanz für 70mm Öffnung einfach nicht mehr schaffbar. Immerhin konnte ich die längliche Form erkennen und den Positionswinkel korrekt schätzen.

Alles in allem ist dieser Test überaus positiv verlaufen. Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, das ich zuvor gute acht Stunden Tuningarbeiten in das Gerät gesteckt hatte. Über die Verbesserungsmöglichkeiten beim Lidl-Scope habe ich eigens einen mehrseitigen Artikel verfasst. Die Qualität der Optik ist, wie immer in dieser Preisklasse, einer größeren Streuung unterworfen. Wenn man aber ein gutes Teil erwischt und vor ein paar Bastelarbeiten nicht zurückschreckt bekommt man ein wirklich zufriedenstellendes Gerät. Ein weiterer großer Vorteil ist die geringe Anfälligkeit für Luftunruhe und die fast nicht notwendige Auskühlzeit lernt man auch sehr schnell zu schätzen.

Links

Das Lidl-Teleskop, Beschreibung, sowie Tipps zum Testen und Tunen
Lidl-Galerie, Bilder vom Teleskop und der Lidl-Montierung
Lidl-Umbau-Galerie, Bilder von Umbauarbeiten am Teleskop
Lidl-Tuning Teil 1 und Teil 2, von Uwe Grün

 

<_zurück