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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

Baader O-III und Astronomik O-III im direkten Vergleich

 

Im Frühjahr 2004 brachte Baader erstmals einen UHC- und O-III-Filter auf den Markt. Nachdem ich schon einige Zeit zuvor einen großen Vergleichstest von Nebelfiltern versch. Fabrikate gemacht hatte, war ich natürlich sehr daran interessiert, wie die neuen Filter von Baader abschneiden würden. Da ich einen Astronomik O-III in meinem Okularköfferchen hatte, orderte ich bei Wolfi Ransburg (www.teleskop-service.de) einen Baader O-III, um ihn mit dem Astronomik direkt zu vergleichen. Vergleicht man die beiden Transmissionkuven, dann sieht man das der Baader noch engbandiger ist und überhaupt nur mehr die reine O-III Linie um 501nm mit etwa 6nm Breite durchlässt. Ein höherer Kontrast ist zu erwarten, zumindest bei jenen Objekten, die genau in diesem Bereich am stärksten emittieren.

Baader O-III

Astronomik O-III

 

Wien, Grenzhelligkeit 4.5m, Refraktor 80/400mm Sky-Watcher, 200/800 GSO-Newton, 20mm Widescan III, 10mm Barium-Kellner:

Mit diesem kleinen Richfield-Refraktor begann ich den Vergleichstest und sah mir erstmal M57, den Ringnebel in der Leier an. Er war auch ohne Filter bei 20facher Vergrößerung schon gut zu erkennen, als ganz kleines Scheibchen. Bei 80fach wurde er dann zu einem deutlichen Ringerl. Im Astronomik wurde der zuerst hellgraue Hintergrund dunkelgrau. Die Wirkung ist wirklich enorm und erstaunt immer wieder auf's neue. Wesentlich weniger Sterne sind im Feld zu sehen und M57 kommt deutlich besser hervor. Dann zum ersten Mal den Baader O-III ins Okular geschraubt und schlagartig wurde es schwarz. M57 kam nochmal etwas deutlicher als im Astronomik und stand vor schwarzem Hintergrund umgeben von nur mehr ganz wenigen Sternen im Gesichtsfeld. Die Anzahl der Sterne reduzierte sich im Vergleich zum Astronomik auf etwa 1/3.

Weiter zu M27, dem hellsten und einfachsten planetarischen Nebel am Nordhimmel. Ohne Filter war er sehr einfach in der bekannten Sanduhrform zu sehen. Der Astronomik brachte dann sehr schön die Ohren hervor, der Nebel war wunderschön kontrastreich vor dunklem Hintergrund. Und wie zuvor schon bei M57 wurde es mit dem Baader-Filter wieder richtig nachtschwarz im Okular. Der Kontrast von M27 zum Hintergrund war toll und gefiel mir besser als mit dem Astronomik. Allerdings wurde mir klar, daß zum Beurteilen der Wiedergabe von wirklich feinen Details an der Wahrnehmungsgrenze weder M57 noch M27 gut geeignet sind. Sie sind einfach zu kompakt und haben zu hohe Flächenhelligkeit. Deshalb war der Cirrusnebel das nächste Ziel. Hier hoffte ich nun auf ein eindeutigeres Ergebnis.

Cirrusnebel NGC 6992-6995 (östlicher Teil) u. 6960 (westlicher Teil):

Im 80/400er bei 20fach konnte ich bei nur 4.5m Grenzhelligkeit ohne Filter keinen der beiden hellen Teile des Cirrusnebels erkennen, was auch zu erwarten war. Der Astronomik brachte den helleren östlichen Teil an die Grenze der Wahrnehmbarkeit. Bei leichtem bewegen des Bildes war er indirekt blickweise zu erkennen. Gespannt war ich nun schon auf die Wirkung des Baader-Filters und ich wurde positiv überrascht: mit dem Baader-Filter konnte ich den Nebel indirekt dauerhaft halten, auch ohne Bewegen des Bildes und das mit nur 80mm Öffnung aus der Großstadt heraus. Dieses gute Ergebnis wollte ich mit dem 200/800mm GSO-Newton überprüfen.

Der große Newton zeigte beide Teile des Cirrusnebels auch schon ohne Filter. Der hellere östliche Teil war recht einfach zu erkennen, der fadenartige westliche Teil bei 52Cyg aber an der Wahrnehmungsgrenze. Vergrößerung war 40fach (20mm WidescanIII). Im Astronomik kam dieser fadenartige westliche Teil sehr schön und deutlich heraus und war indirekt dauerhaft zu halten. Deutlich kontrastreicher war aber der Anblick im Baader O-III. Der Kontrast der Fadenstruktur zum Hintergrund war besser und ich konnte den Faden in südl. Richtung, wo er dünn ausläuft, auch weiter hinaus verfolgen als mit dem Astronomik.

Bei der nachfolgenden Beobachtung des östlichen Teils war der Kontrast des Nebels und auch dessen Ausdehnung im Baader O-III wiederum größer als im Astronomik. Die fransenartige Struktur erschien einfacher wahrnehmbar und die Gesamtausdehnung auch etwas größer. Die nachfolgenden Bilder sollen diesen Eindruck wiedergeben:

ohne Filter
ohne Filter
Astronomik O-III
Astronomik O-III
Baader O-III
Baader O-III

 

Sehr wichtig bei der Beobachtung mit Nebelfiltern generell ist, daß man dem Auge zeit gibt sich auf das dunklere Bild einzustellen um nachzuadaptieren. Bei der Beobachtung aus der Stadt heraus empfiehlt es sich deshalb sich ein Handtuch oder ähnliches über Kopf und Okularauszug zu stülpen, um eine wirklich dunkle Umgebung zu bekommen und Streulichtquellen abzublocken. Schon der O-III Filter von Astronomik zeigt seine volle Leistung nur unter diesen Umständen. Im Baader O-III wird der Hintergrund bereits so dunkel, daß eine Nachadaption von einigen Minuten auf jeden Fall notwendig ist. Erst dann bekommt man die volle Wirkung, so wie oben beschrieben, zu sehen. "Schnell mal den Filter rein und kurz durchgeguckt" läuft also nicht! Man muß dem Auge die Notwendige Zeit geben sich anzupassen, oder wird enttäuscht werden.

Ein wichtiger Punkt ist vielleicht auch, daß der Baader O-III nur etwa 1/3 soviel Sterne zeigt wie der Astronomik O-III. Wer also diese Nebel lieber mit etwas weniger Kontrast, dafür aber in einem sternreichen Umfeld beobachten will, für den wird der Astronomik möglicherweise die bessere Wahl sein. Der Sprung vom Astronomik O-III zum Baader OIII ist etwa vergleichbar mit dem Sprung von UHC auf O-III generell. Der Hintergrund wird wesentlich dunkler, Sterne deutlich schwächer, der Kontrast des Objekts aber sichtbar höher.

Eine Bewertung wie "besser" oder "schlechter" möchte ich nach meinen Beobachtungen nicht machen. Der Astronomik zeigt einen sehr schönen Kontrast und angenehm viele Sterne. Der Baader zeigt einen noch besseren Kontrast, dafür aber auch weniger Sterne im Umfeld. Jeder mag selbst entscheiden was ihm wichtiger ist, oder noch besser, mit beiden Filtern arbeiten.

Und wie sieht es nun aus, wenn schon jemand einen UHC-Filter besitzt? Nun dann würde ich sagen, wenn schon einen O-III als Ergänzung zum UHC, dann gleich jenen von Baader mit der größten Wirkung. Das dürfte das flexiblere Duo sein mit dem größten Unterschied in der Wirkung. Und wenn ich nun überhaupt nur einen Nebelfilter will und nicht mehrere? Ganz klar: "Schaffe schaffe, Filter kaufe!"

 

 

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