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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

80/600mm Orion (Synta) ED-Apochromat

Bis jetzt war es undenkbar, einen Refraktor mit echtem ED-Objektiv zu diesem Preis zu bekommen. Als "Alter Hase" ist man da erstmal mistrauisch und zweifelt an der mechanischen und optischen Qualität. Sollte es dem chinesischen Hersteller Synta wirklich gelungen sein ein solches Gerät zu diesem Preis in hoher Qualität fertigen zu können? Davon wollte ich mich unbedingt selbst überzeugen! Außerdem hatte ich das Glück, daß einer meiner Astrokollegen einen 76mm Borg ED-APO besaß, der ein ideales Vergleichsgerät war.

Schon wenige Tage später lag das Gerät vor mir auf dem Wohnzimmertisch. Zuerst fiel mir auf, daß der Tubus für einen 80mm-Refraktor recht groß dimensioniert ist. Der Tubus ist praktisch gleich groß wie jener vom 102/500mm Fraunhofer-Chromaten und aufgrund der massiven Bauweise, auch etwas schwerer. Für rein visuelle Beobachtung empfehle ich daher die Montierungen GSO SkyView, oder EQ5 bzw. Vixen GP.

Der Okularauszug arbeitet nach dem Crayford-Prinzip. Im Gegensatz zu den üblichen Standard-Auzügen, die mittels Zahnstange betrieben werden und immer wieder unter Wackeln und Kippen leiden, läuft dieser Auszug auf zwei Reihen von Kegellagern. Das ermöglicht sehr feinfühliges und absolut wackelfreies Scharfstellen. Auf der Unterseite des Auszuges befindet sich eine größere Klemmschraube. Sie hat die Aufgabe, bei Fotografie den Okularauszug am gefundenen Schärfepunkt zu fixieren. Bei rein visueller Beobachtung benötigt man diese Schraube nicht. Oft wird vermutet, diese Schraube wäre dazu da, die Gängigkeit des Auzuges einzustellen, Ihn also schwerläufiger zu machen. Das ist nicht der Fall, denn hierzu dienen die zwei sehr kleinen Madenschrauben direkt neben der großen Klemmschraube. Diese beiden Madenschrauben drücken von unten auf den Auszug und mit Ihrer Hilfe kann der Auszug auch für schweres visuelles Zubehör, wie zb. einen Binokularansatz, schwergängiger eingestellt werden, sodaß er sich dann nicht ungewollt verstellen kann. Für diese Madenschrauben benötigt man übrigens einen 1,5mm Imbusschlüssel. Der Test mittels Justierlaser ergab einen perfekt zentrierten Okularauszug. Der Laserpunkt ging exakt durch die Mitte des Objektivs und bewegte sich beim Fokussieren nicht.

Das Objektiv sitzt mit deutlich weniger Spiel in der Fassung, als das bei den bekannten Fraunhofer-Achromaten dieses Herstellers der Fall ist. Auch hier also trifft man auf wesentlich bessere Qualität. Noch am selben Abend konnte ich einen Sterntest machen. Die Luft war sehr ruhig und erlaubte Vergrößerungen deutlich über 300fach. Mithilfe eines 6mm Kasai HD-Orthos und der 5x-Powermate bekam ich 500fache Vergrößerung und konnte an Kapella keinerlei Dezentrierung feststellen. Das Objektiv saß also perfekt in der Fassung, die Abbilung war wunderbar symmetrisch. Inzwischen war auch mein Kollege mit seinem Borg-ED angekommen und wir konnten die Qualität der Optik beider Geräte vergleichen. Sie war praktisch identisch. Die Beugungsbilder der beiden Geräte waren sowohl intra- wie extrafokal fast gleich. Beide Optiken würden wir als "sehr gut" einstufen, also deutlich besser als beugungsbegrenzt, etwa im Bereich von 1/5 pv-wave, ohne Zonen und von hoher Glätte, was sehr scharfe, kontrastreiche Bilder erwarten läßt.

Mond:

Das Bild war beieindruckend scharf und von hoher Qualität, der Mond reinweiß und ohne jeglichen Farbstich. Über 200fach konnte ein ganz leichter Farbsaum am Mondrand wahrgenommen werden. Die Rillen im Krater Posidionius waren auf anhieb gut zu erkennen. Hier haben selbst größere Optiken oft schon Schwierigkeiten.

Mars:

war das nächste Objekt. Noch stand er einigermaßen günstig im Südsüdwesten. Sein Durchmesser war aber bereits auf unter 12" geschrumpft und um Details sicher erfassen zu können mußte man schon auf gut 150fach vergrößern. Dann aber war die Polkappe gut auszumachen und auch ein paar weitere dunkle Regionen sichtbar. Ich staunte nicht schlecht, als das Bild selbst bei 300facher Vergrößerung immer noch kantenscharf und kontrastreich war. Deutlich zeigten sich das Mare Sirenum, das Mare Cimmerium, das Mare Thyrrenum und dazwischen als heller Streifen die Region Hesperia. Für diesen kleinen Marsdurchmesser eine sehr gute Leistung. Spätestens jetzt war klar, daß dieses Gerät zur oberen Qualitätsklasse gehört. Natürlich wollte ich das mit der Webcam festhalten. Unter Verwendung der 5x-Powermate gelang mir folgende Aufnahme, die auch recht gut den visuellen Eindruck wiedergibt:

Mars

Saturn:

zwei Wochen später waren die Bedingungen wieder gut genug, um den ED-APO am Planeten Saturn testen zu können. Diesmal wollte ich den ED mit ein paar anderen Geräten direkt vergleichen. Daneben standen diesmal noch ein 102/1000mm Fraunhofer von Sky-Watcher, ein 102mm Sky-Watcher Travelmax (Maksutov-Cassegrain) und ein Tschibo-Newton 76/700mm. Bereits der Tschibo-Newton zeigte die Cassiniteilung umlaufend, ebenso der 102mm Travelmax. Was ich aber nicht erwartet hätte war, daß Saturn im 80er ED genauso detailreich abgebildet wurde wie im doch deutlich größeren 102/1000er Fraunhofer und somit besser als in allen anderen Geräten. Saturn war im 80er ED sehr ästhetisch, in natürlichen Farben und von einwandfreier Schärfe, ohne sichtbaren Farbfehler, bei einer Vergrößerung von 200fach. Noch höher zu vergrößern wäre für den ED kein Problem gewesen, die Luft war aber an diesem Morgen nicht ruhig genug. Doch bereits jetzt zeigte sich die Cassiniteilung schwarz und umlaufend, auf dem Planeten selbst konnte ich sehr schön die helle Äquatorzone (EZ) und das Südliche Äquatorband (SEB) ausmachen, sowie die dunkle Polregion (SPR). Daneben glitzerten die Monde Titan, Rhea, Dione und Thetys, alles aus der Großstadt heraus! Das Notebook war diesmal schon startbereit und trotz dem nicht sehr gutem Seeing gelang mir eine recht schöne Saturnaufnahme:

Saturn

Schließlich war mein Kollege Arthur Heinz noch in der Lage, zwei sehr gute Deepsky-Aufnahmen mit dem Gerät zu machen. Ein Dankeschön an dieser Stelle für seinen Einsatz bei klirrender Kälte!
Gewonnen wurden die Aufnahmen mit Hilfe einer StarlightExpress MX716 CCD-Kamera, vom Rande der Großstadt Wien:

M1

Linear

An einem anderen Beobachtungsort mit etwa 6m0 Grenzhelligkeit konnte schließlich noch diese Aufnahem von M81 gemacht werden, mit SBIG ST7:

M81

Zusammenfassung:

der 80mm ED-APO bietet einige positive Überraschungen. Der Okularauszug arbeitet überaus genau und das Fokussieren macht Freude, die Optik ist bis auf einen sehr geringen Restfarbfehler als praktisch perfekt zu bezeichnen und liefert ein fast farbreines Bild bei sehr guter Schärfe und hohem Kontrast. Auch fotografisch konnte das Gerät überzeugen, sowohl bei der Planeten- wie auch bei Deepsky-Fotografie.

Ich muß zugeben, daß meine Erwartungen bei weitem übertroffen wurden. Bisher waren ED-APOs dieser Öffnung nur zum mindestens doppelten Preis zu haben. Der chinesische Hersteller Synta beweist, daß es auch anders geht. Dank dem günstigen Peis ist das Gerät nicht nur für Fortgeschrittene, sondern auch für den Einsteiger eine sehr gute Alternative. Bedenkt man, daß ein 102/1000mm Fraunhofer kaum weniger kostet, so kann man gleich zum 80er ED-APO greifen. Dieser leistet praktisch dasselbe, liefert ein ästhetischeres Bild, kommt mit einem tollen, stabilen Okularauszug, ist auch auf Reisen ein treuer Begleiter und im gegensatz zu den klassischen Fraunhofern hervorragend für Astrofotografie geeignet! Ein vielseitigeres Gerät, mit so guter Abbildungsleistung, ist in dieser Preis- und Gewichtsklasse kaum zu bekommen.

 

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