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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

60/910mm "Apollo" Fraunhofer-Refraktor (Taufname "Stangl")

Dieser Refraktor ist ein etwa 15 Jahre altes Exemplar der damals sehr weit verbreiteten langen Fraunhofer-Refraktoren japanischer Herkunft. Sie wurden unter vielen verschiedenen Markennamen angeboten (zb. "Weltblick", "Tasco") und waren in der Fertigungsqualität den heutigen Plastik-Aldi-Refraktoren deutlich übelegen. Die Optik ist weitgehend frei vom Farblängsfehler und liegt schon fast im Halb-Apo-Niveau. Gesellt sich dazu noch eine gute Korrektur (geringe Sphärische Aberration), so hat man ein kleines, leistungsstarkes Gerät in Händen, das man nicht unterschätzen sollte und immer wieder mit gestochen scharfen Bildern überrascht.

Mein eigenes Exemplar habe ich aus mehreren anderen zusammengesetzt. Den Tubus bekam ich von einem Sternfreund aus Deutschland. Die darin befindliche Optik war jedoch nicht gut genug für hohe Vergrößerungen und so habe ich bei Ebay drei weitere Tuben, teils mit Montierungen, ersteigert und das beste Objektiv bei Tests am künstlichen Stern ausselektiert. Dieses Objektiv war schon sehr gut und ich mußte nur mehr die Linsen ein wenig auf Rotation gegeneinander justieren um eine sehr saubere Abbildung zu bekommen. Zuletzt habe ich noch das Spiel in der Fassung reduziert und bekam damit ein perfekt zentriertes Objektiv mit guter sphärischer Korrektur.

Der Okularauszug lag von Anfang an exakt auf der Achse und ich brauchte nur noch das geringe Spiel mit etwas Tesafilm zu minimieren. Ein eigens angefertigter Adapter ermöglicht mir die Verwendung von 1,25"-Zubehör. Danach war das Gerät einsatzbereit und beim First-Light zeigte es noch bei über 400facher Vergrößerung exakt zentrische Beugungsringe. Natürlich ist diese hohe Vergrößerung bei der eigentlichen Beobachtung nicht mehr sinnvoll, ich habe Sie daher auch nur zur Überprüfung der Zentrierung benutzt. Die Sphärische Korrektur dürfte bei etwa 1/4 pv-wave liegen und ist damit im Bereich der Beugungsgrenze.

Die maximal sinnvolle Vergrößerung ist abhängig von der Objekthelligkeit und dem Objektkontrast. Sie liegt bei Saturn und Mond im Bereich von 150fach, bei Jupiter um 120fach. Saturn zeigt sich mit Cassiniteilung in den Ansen, Bauchbinde (SEB) und den Monden Titan und Rhea. Auf Jupiter kann man die vier kräftigsten Bänder (NEB, SEB, NTB, STB) sowie den Großen Roten Fleck (GRS) beobachten. Auch die Schattendurchgänge aller Monde, sowie die Durchgänge der Monde Ganymed und Kallisto liegen im Bereich des kleinen Refraktors. Der bekannte Doppelstern Epsilon Lyrae wird ab 60facher Vergrößerung in 4 Komponenten mit schwarzem Zwischenraum getrennt.

Sehr gute Dienste leistet dieses Gerät auch bei der Sonnenbeobachtung. Durch die weitgehend farbfehlerfreie Abbildung bekommt man schöne und ästhetische Sonnenbilder mit hohem Kontrast. Gerade untertags bei der Sonnenbeobachtung hat man mit meist schlechtem Seeing und turbulenter Luft zu kämpfen. Hier bewährt sich die kleine Öffnung ganz besonders, denn Sie reagiert darauf naturgemäß unempfindlicher als eine größere Öffnung.

Dieser Refraktor ist auch sehr gut zur Webcam-Fotografie geeignet. Wichtig dabei ist, einen IR-Sperrfilter zu verwenden, um das vom Objektiv nur unscharf wiedergegebene Infrarot vom Camchip fernzuhalten.

 

Ein paar Fotos, gemacht mit diesem Gerät (mehr Bilder in der Galerie):

Vollbild
Sonnenflecken

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Mondmosaik

Vollbild
Venus

Vollbild
Saturn

 

 

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