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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

150mm f11 Wolterscope, Teil 2, weitere visuelle und fotografische Beobachtungen:

 

Im Frühjahr 2005 bekam ich von Herrn Wolter ein zweites Mal das WS 150 zugeschickt, um damit weitere Tests durch visuelle und fotografische Beobachtungen durchzuführen. Vor allem die Gasplaneten Saturn und Jupiter standen diesmal im Mittelpunkt des Interesses. Aber auch einige Punkte in Sachen Handhabbarkeit und Mechanik wollte ich noch genauer untersuchen.

Wie schon das letzte Mal kam das Gerät in dejustiertem Zustand bei mir an, was aber bei einem Transport per Paketdienst als unvermeidlich angesehen und erwartet werden muß. Die Dejustierung konnte ich wie üblich in zwei Schritten, Grobjustierung mittels Laser und Blenden sowie danach Feinjustierung am echten Stern, vollständig beheben. Die sehr ausführliche Justageanleitung läßt keine Frage offen und ist sehr verständlich geschrieben, sodaß sich die Justierung weit einfacher und rascher gestaltet als man anfangs annehmen würde. Im Sterntest zeigte sich ein kreisrundes Beugungsscheibchen mit konzentrischen Beugungsringen, frei von Verspannung oder Astigmatismus. Die Beugungsringe waren sehr gut definiert, was auf eine gute Glätte der Optik schließen ließ. Wie schon beim ersten Testgerät war auch dieses wieder frei von Zonen oder einer hängenden Kante. Das ließ wirklich einiges an Leistung erwarten!

Erstes Objekt nach dem Sterntest war Zeta Bootis mit zwei weißen Komponenten 4m5 und 4m7 in nur 0,75" Distanz. Das Seeing war mittelmäßig bis gut, etwa bei 5-6/10 nach Pickering. Bei 330facher Vergrößerung (10mm RKE + 2x Barlowlinse) erschienen beide Komponenten fast getrennt, sie berührten sich noch etwas, konnten aber bereits gut als doppelt wahrgenommen werden. Das sogenannte Dawes-Kriterium war also erfüllt, trotz der nicht optimalen Bedingungen. Aus diesem Test konnte ich schon schließen, daß das WS 150 an Doppelsternen die mit dieser Öffnung maximal mögliche Leistung bringt.

Es dauerte einige Tage, bis die Bedingungen wieder gut genug für weitere Tests waren. Nun war der wünderschöne Ringplanet Saturn an der Reihe. Ich habe zu Vergleichsbeobachtungen einen Sternfreund eingeladen, der im Besitz eines optisch sehr guten 8"F6-Newtons ist, welcher auch aktiv belüftet wird und eine sehr hohe Leistung bei der Planetenbeobachtung bringt. Dieser Newton zeigt einen ausgezeichneten Sterntest mit fast identischen Beugungsbildern intra- und extrafokal. Die sphärische Korrektur dürfte bei 1/8 pv-Wave liegen. Wir konnten bis etwa 300fach vergrößern und die Leistung beider Geräte direkt nebeineinander sehr gut an den Details auf Saturn vergleichen. Die Cassiniteilung taugte dazu aber nicht, denn diese war klarerweise in beiden Geräten voll umlaufend und wirklich pechschwarz. Feinste Unterschiede zeigten sich erst an den Helligkeitsstufen im B-Ring und an den schwach ausgeprägten Wolkenbändern. Der B-Ring des Saturn zeigte von der Cassiniteilung nach Innen drei Abstufungen in der Helligkeit, welche im 8" Newton nur minimal deutlicher zu erkennen waren als im WS 150. Mein Mitbeobachter war ebenso erstaunt wie ich über diesen nur geringen Unterschied. Wir hatten hier den Newton deutlich im Vorteil erwartet. Ebenso gering war der Unterschied in der Sichtbarkeit der STrZ. Diese schwache gelbliche Zone auf Saturn ist überhaupt erst mit Öffnungen ab 150mm aufwärt zu erkennen und war im WS 150 relativ einfach und problemlos sichtbar. Im 8" Newton kam sie geringfügig kontrastreicher. Wir mußten aber mehrmals hin- und hervergleichen, um den Unterschied überhaupt erkennen zu können. Der C-Ring zeigte sich in beiden Teleskopen in einem schönen braunen Farbton, sowohl neben wie auch vor der Planetenkugel. Positiv fiel uns weiters die hohe Bildruhe im WS 150 auf, wahrscheinlich bedingt durch die etwas geringere Öffnung und die damit verbundene geringere Anfälligkeit in Bezug auf das atmosphärische Seeing im Vergleich zum anfälligeren 8" Newton.
Das WS 150 brachte also fast exakt dieselbe Leistung wie der doch deutlich größere 8"F6 Newton. Ein sehr positives Ergebnis, das ich mir so nicht erwartet hatte.

An diesem Abend gelang mir nach dem visuellen Test noch eine Webcam-Aufnahme von Saturn, die auch sehr gut den visuellen Eindruck beim Blick durch das Teleskop wiedergibt:

Ein paar Tage nach dieser Saturnbeobachtung tauchte auf der Sonne eine besonders schöne, interessante Fleckengruppe auf, die sich auch sehr gut etwickelte. Herr Wolter hatte mir extra einen fertigen Objektivsonnenfilter aus Baader Astrosolar mitgeschickt, in voller Öffnung natürlich. Am 1. Mai, einem Feiertag, nutzte ich die ideale Gelegenheit die Sonne noch vor der größten Nachmittagshitze aufzunehmen und es sollte sich wirklich lohnen. Die folgenden Aufnahmen der großen Fleckengruppe sind die besten Sonnenaufnahmen, die mir bisher gelungen sind:

Auch visuell war die Granulation wunderschön zu sehen, ebenso wie die feinsten Fasern in der Penumbra, dem hellgrauen Hof des Sonnenflecks, der den schwarzen Kern, die Umbra, umgiebt. Diese Details haben eine Ausdehnung von nur etwa 1 Bogensekunde und verlangen eine ausgezeichnete Kontrastwiedergabe.

Am selben Abend konnte ich zum ersten Mal mit dem WS 150 den Planeten Jupiter beobachten. Die Bedingungen waren aber aufgrund der großen Tageserwärmung ziehmlich schlecht. So dauerte es noch etwas, bis sich die Gelegenheit ergab das WS 150 ein weiteres Mal gegen den bereits bekannten 8" Newton, diesmal nun an Jupiter, zu vergleichen. Am 19 Mai war es soweit. Das Glück meinte es gut mit uns, denn ein Durchgang des Mondes Io, sowie ein Schattenwurf von Mond Europa lieferten ein beindruckendes Schauspiel. Das Wolterscope zeigte den Europaschatten pechschwarz in sehr hohem Kontrast, wie man es sonst nur von hochwertigen, farbreinen Refraktoren kennt. Daneben zeigte sich in schönem Lachs-Orange der Große Rote Fleck in voller Pracht, als Mond Io soeben begann vor die Jupiterscheibe zu wandern. Io war auch etwas später noch ohne Mühe vor dem Nördlichen Äquatorband (NEB) als heller Fleck zu erkennen. Für nur 6" Öffnung eine beachtliche Leistung, die nur bei allerbester optischer Qualität möglich ist. Wie schon bei Saturn war auch an Jupiter der Unterschied zum danebenstehenden 8" Newton minimal. Der Schatten war sogar im Wolterscope kontrastreicher und schwärzer als im größeren Newton.

In dieser Nacht und in einigen weiteren Nächten habe ich versucht den Planeten Jupiter mit der Webcam und dem WS 150 abzulichten. Die notwendige Brennweite kann einfach mittels entsprechender Barlowlinsen erreicht werden. Im folgenden sind alle Ergebnisse zu sehen, die ich unter mal besseren, mal auch schlechteren Bedingungen mit dem Wolterscope erhalten habe. Bitte klicken sie für die Ansicht in voller Größe auf das jeweilige Vorschaubild:


2005-04-23

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2005-05-19

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2005-05-26

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2005-06-03
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2005-06-20
     

 

Nach diesen Tests durch visuelle und fotografische Beobachtung, möchte ich noch kurz auf zwei Punkte in Sachen Handhabbarkeit und Mechanik eingehen.

Das WS 150 wird nun mit einem großen, chrom-satinierten Tragegriff an der okularseitigen Tubuswand geliefert. Damit ist das Aufsetzen des Tubus auf die Montierung deutlich einfacher und sicherer geworden. Man kann das Gerät dort gut halten, während die Fixierschrauben an der Prismenaufnahme festgezogen werden.

In der Tubusvorder- und Hinterseite sind mehrere große, mit einem Gitter abgedeckte Öffnungen zur Durchlüftung des Tubus eingebracht, welche das thermische Verhalten ganz entscheidend positiv beeinflussen. Die Auskühlzeit beträgt im Winter bei etwa 1,5 Stunden und geht gegen Frühjahr und Sommer hin gegen Null. In den Monaten Mai bis Juli konnte ich sogar ganz ohne jegliche Auskühlzeit beobachten. Streulicht wird durch diese Öffnungen nicht produziert, wie mehrere Beobachtungen unter Sonnenschein am Taghimmel gezeigt haben. Zusätzlich werden mehrere exakt berechnete Blenden im Tubusinnneren verbaut, um den Kontrast auf ein absolutes Maximum zu heben.

Besonders wichtig für Planetenbeobachter ist die Möglichkeit einen Binokularansatz verwenden zu können, wenn möglich ohne zusätzliche Glaswegkorrektoren, welche das Bild nur unnötig verschlechtern würden. Ich konnte am WS 150 meinen Baader-60° Binokularansatz problemlos ohne Glaswegkorrektor betreiben, wobei sogar noch ein intrafokaler Weg von von 50mm verblieb. Zusammen mit dem Glasweg meines Binos von 140mm ergibt das satte 190mm intrafokalen Spielraum. Es sollten also alle am Markt befindlichen Binokularansätze inkl. Zenitspiegel ohne Glaswegkorrektoren verwendbar sein.

Insgesamt hat mich das WS 150 ein weiteres Mal durch seine hervorragende Leistungsfähigkeit begeistert. Ein optisch und mechanisch sehr durchdachtes Konzept, das vol und ganz überzeugt.

Thomas Brüll, Juli 2005

 

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