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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

150mm f11 Wolterscope (Tri-Schiefspiegler), Hersteller: Dr. Heino Wolter, www.wolterscope.de

 

Das Wolterscope wurde in einer schönen Holzkiste mit Tragegriff geliefert, welche sorgsam mit Schaumstoff ausgekleidet war. Das Gesamtgewicht (Kiste mit Gerät) beträgt 24,5 kg. Wer vor hat Teleskop auch mobild einzusetzen, sollte fit genug sein dieses Gewicht an einem Arm tragend transportieren zu können. Für Leute mit Rückenproblemen oder ähnlichen Gebrechen dürfte das bereits Probleme bereiten. Der Lieferung lag eine ausführliche Bedienungsanleitung, Justierblenden, Justierlaser und ein Imbusschlüssel bei. Die Anleitung ist sehr ausführlich, leicht verständlich geschrieben und beantwortet eigentlich alle eventuellen Fragen.

Erster Test der Optik:

Die Optik zeigte im Sterntest eine sehr gute Korrektur. Ich schätze Sie auf gut 1/6 pv-wave, eher besser. Der Strehl dürfte im Bereich von etwa 0,92-0.97 liegen. Die Optik zeigt auch keinerlei auffällige Rauhigkeit. Die Beugungsringe sind sehr gut definiert und ohne jegliche Ausfransungen. Zonen sind mir ebenfalls keine aufgefallen.

Bedingt durch den Transport war deutlicher Astigmatismus vorhanden, die auszujustieren war. Das Justieren der Optik ist einfacher als man vielleicht vermuten würde. Alle drei Spiegel können in der Teleskopachse sowie senkrecht dazu verstellt werden. Wie dabei vorzugehen ist, geht aus der Anleitung eindeutig hervor. Im Regelfall dauert die Justierung am Stern nur ein paar Minuten. Nur bei sehr grober Dejustierung ist der Tubusmantel zu entfernen und mit Hilfe der Justierblenden und des Justierlaser am offenen Gerät die Grundjustage herzustellen. Dafür sind etwa 30min einzukalkulieren.

Im Sterntest zeigte sich dann eine Verspannung eines oder mehrerer Spiegel, welche nicht von der Auskühlung des Gerätes abhängig war. Das unscharfe Sternscheibchen war vor allem extrafokal deutlich dreieckig. Dieser Fehler drückte die momentane Leistung des Gerätes sicher bis auf 0.8 Strehl oder vielleicht noch etwas weniger. Zum weiteren Vergleich mit anderen Geräten mußte dieser Fehler unbedingt behoben werden. Möglicherweise war eine der Spiegelfassungen schuld an dieser Verspannung.

Bei Beobachtungsposition nach Westen zeigte die Optik ansonsten keine weiteren Fehler. Schwenkte man aber nach Osten um, so entwickelt sich ein deutlicher Astigmatismus, der im Bereich von etwa 3/8 pv-wave lag, sich also qualitätsmindernd auswirkte und die Optik unter die Beugunsgrenze drückte. Dieser Astigmatismus war anscheinend von der Position des Tubus abhängig. Ich vermutete Druck einer Fassung auf einen der Spiegel als Ursache dafür. In Absprache mit dem Hersteller wurden die Spiegelfassungen von mir etwas gelockert, damit konnten die angegeben optischen Fehler beseitigt werden. Im Anschluss daran wurden dann die nachfolgend beschriebenen Beobachtungen durchgefuehrt.

Zur Auskühlung hat das Gerät etwa eine Stunde benötigt, von 26°C Zimmertemperatur auf etwa 18°C Aussentemperatur. Berücksichtigt man den geringen Temperaturunterschied, so würde ich empfehlen am Tubus nicht nur als Sonderausstattung, sondern bereits standardmäßig zwei kräftig saugende Lüfter an der Rückseite (Beobachterseite) einzubauen. Das große Tubusvolumen, sowie die massiven Spiegelfassungen dürften ansonsten im Winter die Auskühlung enorm verlangsamen oder sogar ganz unmöglich machen. Gerade für ein Planetengerät sollte Tubusseeing so gut wie nur irgendmöglich minimiert werden.

Mechanik:

Anfangs war ich doch etwas überrascht vom hohen Gewicht des Gerätes. Die EQ6 stellt visuell bereits das Minimum dar, eine noch stärkere Montierung wäre schon fast notwendig. Man benötigt an der EQ6 drei mal 5 kg Gegengewichtscheiben. Fotografisch (Langzeitbelichtung) wird mit Sicherheit eine stärkere Montierung notwendig sein. Die EQ6-Schiene sollte noch ein paar Millimeter mehr Abstand zum Tubus haben, damit man beim Festklemmen des Tubus mehr Platz für die Finger hat.

Für ein besseres Handling des Tubus würde man sich noch große Griffe an der Tubusober- und -rückseite wünschen. Sitzt man beobachtend hinter dem Gerät und will ein neues Objekt einstellen, so muß man sehr umständlich hantieren um den Tubus bewegen und danach die Klemmungen der Achsen anziehen zu können. Ich würde zwei kleinere Griffe an der Rückseite und einen Großen an der Tubusoberseite anbringen.

Der Telrad sollte für einen besseren Einblick nicht ganz hinten am Tubus, sondern eher so weit vorne wie möglich montiert werden. Das erspart dem Beobachter akrobatische Verrenkungen beim Einstellen der Objekte.

Der JMI-NGF DX3 ist ein guter Okularauszug. Die Fokussierräder sind aber etwas zu knapp am Tubus und man hat beim Fokussieren zu wenig Platz für die Finger. Da der Fokus ohnehin weit hinten liegt, könnte man den ganzen Fokussierer mit etwas mehr Abstand zum Tubus montieren.

Das lange Blendrohr des Fokussierers hat ein glänzendes Innenleben. Das könnte bei der Mond- und Sonnenbeobachtung eventuell zu Streulicht führen, welches direkt ins Okular fällt. Der Okularauszug sollte daher noch verblendet, oder zumindest mit Veloursfolie ausgekleidet werden. Eine spätere Prüfung dieses Punktes bei der Sonnen- und Mondbeobachtung ergab allerdings keine Auffälligkeiten.

Die Lackierung des Tubusinneren ist dunkler als z.B. bei den Massengeräten von Sky-Watcher oder GSO und stellte sich bei den folgenden Beobachtungen von Mond, Sonne und Venus bei Tageslicht als problemlos heraus. Die Körner, welche für zusätzliche Rauheit der Lackierung sorgen sollen sind aber zu wenig dicht. Wahrscheinlich kann man auch ganz auf Sie verzichten. Zuerst befürchtete ich aber, daß bei der Mondbeobachtung der Drittspiegel direkt beleuchtet wird und dadurch der Kontast sinken könnte. Spätere Mondbeobachtungen haben aber auch diese Befürchtung als unbegründet erwiesen. Egal in welchem Winkel das Gerät zum Mond steht oder auch direkt auf ihn gerichtet ist, es waren keine Reflexe, Aufhellungen oder plötzlich auftretendes Streulicht bemerkbar.

Weitere Beobachtungen:

Etwas später konnte ich das Gerät dann am Tage testen. Zur Sonnenbeobachtung habe ich den Folienfilter (Baader-Folie) meines kleinen 4" Maksutovs an das Wolterscope adaptiert. Die Öffnung wurde dadurch zwar auf 100mm reduziert, es ersparte mir aber den Neukauf und das Basteln eines eigenen Filters Man bedenke beim betrachten der folgenden Bilder also, daß mit voller Öffnung unter entsprechendem Seeing noch feinere Details mit dem Gerät sichtbar werden.

Auf der Sonne verabschiedete sich die große Fleckengruppe NOAA 0635 gerade am Westrand, was ich mit der Webcam festhalten konnte. Folgendes Bild gelang mir fokal mit der ToUCam 740 und Baader AstroSolar ND5:

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Rund um diese Fleckengruppe sind auch viele helle Fackelgebiete zu sehen. Die Granulation zeichnet sich ebenfalls sehr schön ab. Mit voller Öffnung könnte man, wie oben erwähnt, noch feinere Details abbilden.

Visuell war die Sonne ebenfalls sehr schön zu beobachten. Der Kontrast des Sonnenbildes ist sehr hoch und mit dem eines sehr guten, farbreinen Refraktor zu vergleichen. Ab etwa 80facher Vergrößerung ist die Feinstruktur in der Penumbra sowie die Granulation zu sehen. Das Gerät ist zur Sonnenbeobachtung auf jeden Fall sehr gut geeignet. Streulichtprobleme gibt es keine. Beim Blick durch den Okularauszug ist alles sehr schön dunkel und keine Aufhellungen oder Reflexe im überblickbaren Bereich zu erkennen.

Da das Seeing relativ gut war wollte ich nach der Sonne auch noch die Venus einfangen. Mithilfe der Teilkreise habe ich sie relativ rasch gefunden (Viertelstunde). Visuell ebenfalls wieder ein sehr schöner Anblick. Die helle Sichel stand kontrastreich vor einem schönen blauen Himmelshintergrund. Natürlich kam auch hier sorfort wieder die Webcam zum Einsatz.

Das erste Bild zeigt Venus fokal, bei 1650mm Brennweite:

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Danach habe ich mit einer 2x-Barlowlinse die Brennweite verdoppelt. Das Seeing war dazu gerade noch gut genug:

Der nächste Punkt am Programm waren Aufnahmen von Doppelsternen möglichst nahe der Auflösungsgrenze, sowie ein Vergleich des Teleskops mit meinem MN78, einem MK67 sowie einem normalen (f5) 6" und 8" Newton.

An einem späteren Wochenende hatte ich endlich eine klare Nächt zur Verfügung und konnte das Wolterscope 150 mit einem Intes MK67 (sehr gute Optik im Sterntest, ca. 1/7 pv-wave) und einem GSO 150/750mm Newton (durchschnittliche Optik, ca. 1/4 pv-wave) direkt an Deepsky-Objekten vergleichen. Grenzhelligkeit für das freie Auge war in dieser Nacht bei etwa 6.5m im Zenit. Alle drei Geräte hatten etwa 1,5 Stunden zeit zur Temperaturanpassung und waren im Sterntest frei von Tubusseeing.

Vergleichsobjekte waren M13, die Galaxie NGC 6207 (nahe M13), sowie der Ringnebel M57. Am Wolterscope und am MK67 verwendete ich ein 30mm Widescan II, am Newton ein 15mm TS-Superplössl, womit die Vergrößerungen im annähernd gleichen Bereich lagen.

M13 war im Wolterscope und im MK67 praktisch identisch. Ich konnte keinen wesentlichen Unterschied feststellen, auch meinen Mitbeobachtern ging es so. Die Sternabbildung war in beiden Geräten punktnadelfein, der Haufen am Rand gut aufgelöst und es zeigten sich insgesamt eine große Zahl an Einzelsternen. Die Auflösung in Einzelsterne würde ich etwa der eines 8" Newtons aus Massenproduktion gleichstellen, aber mit feineren, ästhetischeren Sternen. Der 150mm GSO-Newton zeigte deutlich weniger Auflösung in Einzelsterne bei weniger schönen, nicht so feinen Sternpunkten, was ich der geringeren optischen Qualität zuschreibe.

NGC 6207 konnte ich problemlos erkennen (ca. 11mag) und zeigte sich im MK67 und im Wolterscope 150 wieder auf identische Weise, als direkt sichtbares, kleines elliptisches Fleckchen, im indirekten Sehen dauerhaft haltbar.

M57 habe ich dann noch mit dem Baader O-III Filter beobachtet. Auch hier wieder eine Pattstellung zwischen Wolterscope 150 und MK67. Beide zeigten M57 als hellen Ring, mit nebeligem Inneren und von identischem Aussehen.

Es folgte noch ein Test am Doppelstern. Die Trennung von Epsilon Lyrae war problemlos möglich und aufgrund der Helligkeit dieses 4-fach Systems mit Graufilter am besten. Selbstverständlich ist Epsilon Lyrae kein angemessener Teststern für dieses Gerät. Ich habe mir daher den Dopplestern Zeta Bootis als geeignetes Testobjekt ausgesucht. Die Komponenten sind 4m5 und 4m6 hell bei einer Distanz von 0.8". Zwar konnte ich dieses Paar nicht nach dem Rayleigh-Kriterium (schwarzer Zwischenraum) trennen, aber nach dem Dawes-Kriterium ging es recht gut. Die Airydiscs der beiden Sterne überlappten sich ein bischen, erschienen also wie eine 8 mit etwas verschmolzenen Hälften. Somit war eindeutig erkennbar, daß es sich um einen Doppelstern handeln muß. Bedenkt man das nicht optimale Seeing, kann daraus gefolgert werden, daß das Gerät unter optimalen Bedingungen Doppelsterne bis an die theoretische Grenze trennt.

Mein Fazit aus diesen weiteren Beobachtungen:
Das Wolterscope 150 zeigt aufgrund der guten Verspiegelung und Oberflächenqualität Objekte ähnlich hell, wie ein üblicher 8" Newton aus Massenfertigung. Die Abbildungsqualität bei Deepsky ist mit jener eines hochwertigen 6" Maksutov-Cassegrains vergleichbar.

Mond:

Bedingt durch die geringe Höhe der Mondes in den Sommermonaten war keine hochauflösende Beobachtung des Erdtrabanten möglich. Die Luftunruhe begrenzte die maximal sinnvolle Vergrößerung auf etwa 150fach. Das Wolterscope lieferte bis zu dieser Vergrößerung jedenfalls eine einwandfreie Abbildung. Trotz der schlechten Verhältnisse habe ich auch hier wieder die Webcam eingesetzt. Mit dem Ergebnis kann man, angesichts der äußeren Bedingungen, sehr zufrieden sein:

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Mondmosaik groß, klein

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Copernikus
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Mare Crisium
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Sinus Iridum
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Copernikus, Kepler
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Pitavius
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Longomontanus
 

 

Kurz vor der Rücksendung des Gerätes konnte ich in einer sehr klaren Nacht mit durchschnittlicher Luftruhe Uranus ablichten. Eingesetzt wurde wieder die ToU Cam 740 in Kombination mit einer 2.5x Powermate zur Brennweitenverlängerung:

Weitere Ergebnisse hoffe ich im Spätherbst und Winter zu bekommen, wenn die großen Planeten Jupiter und Saturn günstig stehen und dann auch Vergrößerungen im Grenzbereich sinnvoll benutzt werden können. Dann sollte das Wolterscope so richtig zeigen können, was in ihm steckt.

 

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