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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

Das LIDL-Teleskop - Seite 4

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weiter Optimierungen für Fortgeschrittene:

Die folgenden Optimierungen überschreiten im Normalfall die Möglichkeiten eines Einsteigers und sind daher eher als Zusatztipps für Fortgeschrittene gedacht.

1. Beheben weiterer Optikfehler:

Zeigt das Gerät nach Optimierung der Taukappe immer noch erkennbaren Astigmatismus, so kann man eine Verbesserung der Situation durch beheben des Linsenspiels in der Fassung sowie Verdrehen der Objektivlinsen zueinander versuchen. Vorteilhaft ist die Verwendung eines künstlichen Sterns, um die recht zeitaufwendige Arbeit im Warmen durchführen zu können. Um ohne zusätzliche Verlängerung des Blendrohres noch in den Fokus zu kommen, sollte der künstlich Stern eine Entfernung von etwa 8m zum Gerät haben. Der Ausbau der Optik gestaltet sich recht einfach. Der innere Haltering in der Fassung wird abgeschraubt und die Linsen dann vorsichtig herausgekippt, ohne sie zu verdrehen. Man markiert nun die ursprüngliche Position der Linsen zueinander an deren Rand. Beheben Sie nun zuerst das Spiel der Linsen in der Fassung, weil dadurch ein Versatz der Linsen gegeneinander auftreten kann. Am einfachsten klebt man Tesastreifen gleichmäßig in die Fassung, bis die Linsen gerade noch ohne Kraftaufwand in die Fassung gelegt werden können. Beim Schütteln des Objektivs sollte dann kein Klappern der Linsen mehr zu hören sein.

Ist der Astigmatismus dadurch noch nicht behoben, so liegt ein Keilfehler einer oder beider Linsen vor. Die Optimierung erfolgt nun durch Verdrehen der Frontlinse zur hinteren Linse um kleine Beträge von etwa 40°, oder, wenn man sich die Linse als Uhr vorstellt, um jeweils zwei Stunden. Nach jedem Verdrehen muss der Effekt am künstlichen Stern kontrolliert werden. Man merkt sehr schnell, ob die Tendenz zu besser oder schlechter Abbildung geht. Ganz besonders gut erscheinende Positionen werden am besten notiert. Nach einer kompletten Drehung steht der beste Punkt annähernd fest. Dieser bringt, mit etwas Glück, nun eine bessere Korrektur als der Anfangszustand. In dieser Stellung werden die Linsen noch einmal markiert, um sie nach unbeabsichtigtem Verdrehen schneller wiederzufinden. Indem man jetzt um noch kleinere Beträge verdreht, wird die endgültig beste Position ermittelt und diese Optimierung ist beendet.

Möglicherweise ist der Keilfehler auch nach dieser Optimierung noch nicht behoben. Man hat dann die Möglichkeit, statt dem Abstandsring Abstandsplättchen unterschiedlicher Dicke einzusetzen und dadurch den Keilfehler auszugleichen. Allerdings ist das eine sehr mühsame Arbeit, die zum einen eine Mikroschieblehre benötigt und sehr viel Geduld und Ausdauer erfordert.

Außerdem kann eine Veränderung des Luftspalts die Sphärische Aberration weiter veringern. Ist die Optik im Startest eindeutig überkorrigiert, so kann durch vergrößern des Luftspaltes um etwa 0,3mm eine teils deutliche Verbesserung der Korrektur erreicht werden. Bei Unterkorrektur ist eine Verbesserung durch das Verringern des Abstandes möglich. Hierbei kann der Abstand schrittweise bis auf 0.2mm reduziert werden. Zur Kontrolle der Korrektur verwendet man am besten einen grünen Interferenzfilter (z.B. Baader Solar-Kontinuum).

2. Justieren des OAZ mittels Justierlaser:

Durch das oben beschriebene Optimieren des Blendrohres ist der Okularauszug im Normalfall auch ausreichend justiert. Ist man in Besitz eines Justierlasers, so kann man eventuell noch weiter nachbessern. Der Justierlaser muss schön saugend im OAZ sitzen und der Strahl möglichst genau durch die Mitte des Objektivs fallen. Eine Abweichung von mehr als einem Zentimeter würde ich versuchen zu korrigieren. Man kann dazu dort, wo der OAZ am Tubus befestigt ist und aufsitzt, verschieden dicke Unterlagen aus Karton anbringen und so den OAZ in die richtige Position zwingen. Bei meinem eigenen Gerät konnte ich dadurch noch eine minimale Verbesserung erreichen. Absolut notwendig dürfte diese Arbeit erst werden, wenn der Laser mehr als 1-2 cm von der Mitte abweicht. Das entspricht einer Verkippung der Achse von etwa 0.6-1.3°. Die Abbildungsleistung wird dadurch nur mehr sehr gering verbessert. Die anderen Faktoren, wie Astigmatismus oder Sphärische Aberration spielen eine wesentlich größere Rolle und können diesen Fehler völlig überdecken.

Okulartipps:

Aufgrund sehr vieler Anfragen möchte ich noch ein paar Tipps zu Okularen, speziell für das Lidl-Scope, abgeben.

Ausgeliefert wird das Gerät mit zwei Okularen vom Typ Kellner. Das Okular mit der Brennweite 20mm hat ein geringes scheinbares Gesichtsfeld von etwa 40°. Die Transmission ist gut, die Randschärfe einem Kellner entsprechend. Das 4mm Okular ist nicht unbedingt schlecht, hat aber einen sehr geringen Augenabstand und bringt zudem eine schon fast zu hohe Vergrößerung. Der so wichtige Vergrößerungsbereich zwischen diesen beiden Okulare fehlt leider völlig. Um den Zukauf von weiteren Okularen wird man daher nicht herumkommen. Diese müssen aber nicht unbedingt teuer sein.

Als Übersichtsokular empfehle ich das 25mm TAL-Plössl oder ein 32mm Superplössl. Beide Okulare bringen schon das maximale Gesichtsfeld, das mit dem Lidl-Scope erreicht werden kann. Dieses beträgt dann knapp über 2°, also immerhin vier volle Monddurchmesser. Die meisten Objekte haben damit bequem im Gesichtsfeld platz.

Das mitgelieferte 20mm Okular kann verwendet werden, ist aber weder von der Qualität noch vom Gesichtsfeld her Genuß bringend. Ich würde raten so bald wie möglich ganz darauf zu verzichten.

Nach unten hin könnte ein 15mm Plössl das nächste Okular sein. Es bringt nicht ganz 50fache Vergrößerung bei kontrastreichem Bild und einem scheinbaren Gesichtsfeld vom etwa 50°, eine wichtige Stufe für viele Deepsky-Objekte.

Weiter ergänzen kann man das Sortiment durch ein 10mm Barium (=Super) -Okular. Die Vergrößerung beträgt genau 70fach. Eine 2x Barlowlinse bringt die für Mond und Planeten notwendigen hohen Vergrößerungen. Als höchste sinnvolle Vergrößerung würde ich 140fach vorschlagen.

Zur Trennung von Doppelsternen kann man zusätzlich noch Okulare bis maximal 4mm einsetzen und bis 175fach beobachten. Bei Mond und Planeten wird dieses Okular aber keine weiteren Details bringen. Achtung: das beim Lidl mitgelieferte K 4mm hat in real eine Brennweite von 6.7mm!

Okular Vergrößerung ohne-/mit Barlow Gesichtsfeld ohne Barlow
32mm Superplössl 22x / 44x 2°12'
25mm TAL-Plössl 28x / 56x 2°00'
15mm Plössl 47x / 94x 1°04'
10mm Barium 70x / 140x 1°00'
4mm Plössl/Ortho 175x 0°14'

 

Achtung! Vom 10mm Barium gibt es zwei Versionen mit jeweils verschieden großem Gesichtsfeld. Die eine Version hat etwa 40° Gesichtsfeld, die andere ca. 70°, je nachdem, ob eine kleine Feldblende ins Okular eingebaut ist oder nicht. Diese Feldblende braucht nur abgeschraubt und weggefeilt zu werden. Man kann sich hier also selbst zu einem äußerst günstigen Weitwinkelokular verhelfen.

Der mitgelieferte Zenitspiegel ist für erste Beobachtungen von ausreichender Qualität, sollte aber bei Gelegenheit durch ein viel besseres Zenitprisma z.B. von Vixen ersetzt werden. Das Bild wird dadurch merkbar heller. Ebenfall in der Originalpackung dabei ist eine 1.5x Umkehrlinse, die ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild erzeugt. Sie ist für Tagbeobachtungen gedacht und kann zur Not dafür verwendet werden. Die optische Qualität ist allerdings mehr als bescheiden, die Bildqualität verschlechtert sich deutlich. Bei astronomischen Beobachtungen sollte man sie keinesfalls einsetzen.

Abschließend wünsche ich viel Spaß beim Beobachten mit dem Lidl-Scope!

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Für weitere Fragen zum Thema stehe ich gerne per Mail zur Verfügung: klettermaxi(@)yahoo.com

 

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