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binoviewer  - Praxistipps für Amateurastronomen

Das LIDL-Teleskop - Seite 2

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Test der Optik:

Die Optik, also das Objektiv des Lidls, kann von sehr unterschiedlicher Qualität sein. Man darf nicht vergessen, dass es sich bei diesem Teleskop um ein Massenprodukt handelt. Aufwendige Qualitätskontrollen sind daher zu diesem günstigen Preis nicht möglich und die Streuung in der Qualität der Optik daher entsprechend hoch. Alles ist möglich! Es kann sein, dass Sie zufällig eine hervorragende Optik bekommen haben, es kann aber genauso sein, dass sie wirklich unbrauchbar ist. Selbstverständlich bleibt es jedem selbst überlassen, das zu überprüfen oder nicht. Im folgenden Kapitel möchte ich beschreiben, wie man auch als Einsteiger auf recht einfache Weise feststellen kann, ob die Optik brauchbar ist. Ist sie es nicht, so kann man dann immer noch einen Umtausch in Erwägung ziehen..

Zur Überprüfung der Optik stellt man das Teleskop an einem Beobachtungsplatz auf, der einem freien Blick nach Norden gewährt, da man zum Test den Polarstern benötigt. Stellen Sie also Ihre Gerät auf und richten Sie dabei die Polachse der Montierung nach Norden aus. Je nach Jahreszeit müssen Sie nun dem Teleskop Zeit geben, sich an die Außentemperatur anzupassen. Zum einen muss sich die warme Luft im Inneren des Tubus abkühlen, zum anderen braucht auch das Glas des Objektives etwas Zeit sich der Außentemperatur anzupassen und seine optimale Form zu bekommen. Im Winter kann man dafür etwa eine Stunde veranschlagen, im Sommer etwa eine halbe Stunde. Mit einer Stunde sind Sie im jeden Fall auf der sicheren Seite.

In der Zwischenzeit können Sie das kleine Sucherfernrohr justieren. Stecken Sie dazu den Zenitspiegel und das 20mm-Okluar in das Gerät und visieren einen markanten, mindestens 500m entfernten Punkt an, z.B. eine entfernte Straßenlaterne. Das Objekt muss sich nun in der Mitte des Gesichtsfeldes im Okular befinden. Mit den 6 Justierschrauben am Sucherfernrohr bringen Sie das Objekt mit dem Fadenkreuz zur Deckung. Achten Sie darauf, dass die Justierschrauben zuletzt auch fest genug angezogen sind, da sich andernfalls das Sucherfernrohr bei jedem kleinen Stoß wieder verstellen wird.

Das Gerät ist inzwischen ausgekühlt und man kann mit dem Test der Optik beginnen. Mit dem Sucherfernrohr zielen Sie auf den Polarstern und bringen diesen in die Mitte des Gesichtsfeldes. Dabei verwenden Sie aber diesmal das 20mm-Okular ohne den Zenitspiegel, da dieser möglicherweise selbst fehlerhaft sein könnte. Mit dem 20er Okular erhalten Sie eine Vergrößerung von 35fach. Um Fehler der Optik festzustellen, ist diese Vergrößerung aber zu gering. Daher wechseln Sie auf das ebenfalls mitgelieferte 4mm Okular. Nun beträgt die Vergrößerung 175fach, das ist auf jeden Fall hoch genug. Zuerst fokussieren Sie den Polarstern so genau wie möglich. Der beste Punkt der 'Scharfstellung ist dann erreicht, wenn der Polarstern so klein wie möglich und nur mehr ein winziger Punkt ist, der dann im besten Fall so aussieht wie auf der nächsten Abbildung ganz links. Man sieht ein sehr kleines, winziges Scheibchen (Beugungsscheibchen) im Zentrum, umgeben von einem oder mehreren, schwächeren, teils auch unregelmäßigen Ringen (Beugungsringe).

Das Ganze ist aufgrund der Unruhe der Atmosphäre in Bewegung und ändert ständig ein wenig sein Aussehen. Das ist kein Fehler der Optik, sondern einfach die Luftunruhe, die mehr oder weniger stark sein kann. Zur Beurteilung der Optik benötigen Sie neben dem scharfgestellten Stern (Fokus), auch noch den unscharf gestellten, defokussierten Stern. Dabei unterscheidet man zwischen innerhalb und außerhalb des Fokus (Intra- und Extrafokal). Innerhalb des Fokus sind Sie, wenn Sie vom schärfsten Punkt aus das Okular ein wenig hineinbewegen, in Richtung auf das Objektiv zu. Dabei fährt der Okularauszug in den restlichen Teleskoptubus hinein. Die extrafokale Stellung erhalten Sie natürlich auf genau umgekehrte Weise, indem Sie den Okularauszug mit dem Okular ein wenig herausdrehen. Wichtig ist dabei, dass Sie in beiden Richtungen nur um ganz kleine Beträge unscharf stellen. Es genügt, wenn der Okularauszug um ein bis drei Millimeter einwärts oder auswärts wandert. Aus dem fast punktförmigen, scharfgestellten Stern wird dann eine kleine Scheibe, so ähnlich wie es auf dem Bild unten zu sehen ist.

im Fokus intrafokal extrafokal
Stern im Fokus (scharfgestellt) Stern innerhalb des Fokus Stern außerhalb des Fokus

Abb.9: Sterntest bei perfekter Optik

Anhand von Form und Aussehen sowohl des punktförmigen Sterns, als auch der unscharfen Scheibe können Sie die Qualität der Optik abschätzen. Abbildung 9 zeigt den Idealfall einer absolut perfekten Optik. Diese Perfektion kann beim Lidl-Teleskop nicht erwartet werden, ja nicht einmal bei sehr viel teureren Geräten. Im folgenden möchte ich zeigen, welche Abweichungen vom Idealbild auftreten können, wie sie entstehen und wie groß diese Abweichungen sein dürfen. Dabei zeige ich immer das Bild des scharfgestellten Sternes, sowie die dazugehörigen unscharfen Scheibchen innerhalb und außerhalb des Fokus, wie sie bei Verwendung des mitgelieferten 4mm-Okulares im Teleskop erscheinen.

1. Verspannungen (durch die Taukappe):

Beim Lidl kommt es häufig vor, dass die Taukappe (vorderster Teil, siehe Abb1. auf Seite 1) zu fest auf der Objektivfassung sitzt. Dabei sitzt die Taukappe auf vier kreuzförmig angeordneten Streben der Objektivfassung, welche dann bei zu strengem Sitz auf die darunter liegenden Objektivlinsen drücken und diese verbiegen (verspannen). Bei meinem eigenen Gerät war dies der Fall. Sogar so stark, dass die Abbildung völlig unbrauchbar wurde. Zum Glück ist dieser Fehler leicht zu erkennen. Der Stern ist dann im Fokus nicht mehr punktförmig, sondern ähnelt eher einem kleinen Kreuz. Stellen sie den Stern unscharf, so ist die resultierende Scheibe nicht rund, sondern mehr oder weniger stark oval, wobei die intrafokale Scheibe um 90° gegen die extrafokale verdreht ist. Man nennt diesen Fehler auch Astigmatismus.

im Fokus intrafokal extrafokal
Stern im Fokus (scharfgestellt) Stern innerhalb des Fokus Stern außerhalb des Fokus

Abb.10: Astigmatismus durch Verspannung (z.B. bei zu streng sitzender Taukappe)

Wenn also der Stern ein deutliches Kreuz ist, so wie oben links dargestellt, wäre er nicht mehr zu akzeptieren. Sie würden auch bei der Beobachtung von Planeten, Mond oder anderen Objekten, kein scharfes Bild mehr erhalten und das Gerät wäre damit unbrauchbar. Zum Glück rührt dieser Fehler beim Lidl oft nur vom zu festen Sitz der Taukappe her. Sie können also versuchen, ihn zu beheben. Dazu nehmen Sie die Taukappe ab. Bei sehr strengem Sitz ist das kein leichtes Unterfangen. Man kann sich dann mit einem Föhn behelfen und die Taukappe damit anwärmen, meist geht sie daraufhin leichter ab. Keine Brachialgewalt anwenden, besser mit ganz kleinen Bewegungen und Geduld arbeiten, denn die Objekivfassung unterhalb könnte sonst brechen.

Haben Sie die Taukappe abbekommen, sehen Sie darunter die vier Streben der Objektivfassung. Diese feilen Sie etwas in der Höhe ab, bis die Taukappe locker aufzuschieben ist und dennoch fest genug sitzt und nicht von selbst herunterfällt. Oft kann man sich das Feilen ersparen, indem man probiert die Taukappe in anderer Stellung aufzuschieben, da die Taukappe selbst nicht exakt rund ist. Danach muss man ein oder mehrere Stunden warten, bis sich das verspannte Objektiv wieder entspannt hat. Kontrollieren Sie den Erfolg der Arbeiten wieder am Polarstern. Er sollte nun nicht mehr kreuzförmig, sondern ein schöner Punkt sein. Ist das nicht der Fall, so lag der Fehler nicht am Sitz der Taukappe, sondern an einem fehlerhaft geschliffenen Objektiv. Dagegen kann man leider nichts mehr machen. Ein Umtausch des Gerätes ist dann der einzige Ausweg.

2. Die Korrektur der Optik (Sphärische Aberration):

Beim nächsten Test geht es darum, festzustellen, wie exakt die Linsen des Objektivs geschliffen sind und ob sie genau genug sind, um eine brauchbare, scharfe Abbildung zu erzeugen. Dieser mögliche Fehler wird auch Sphärische Aberration genannt. Einen gewissen Betrag dieses Fehlers werden Sie bei jedem Lidl-Teleskop finden, auch bei sehr teuren Teleskopen ist er fast immer in gewissem Maße vorhanden. Solange eine bestimmte Grenze dabei nicht überschritten wird, muss man sich deshalb keinerlei Gedanken machen. Selbst für einen Fortgeschrittenen ist es nicht leicht, diese Grenze genau zu erkennen. Ich denke aber, dass trotzdem auch für den Einsteiger eine grobe Abschätzung möglich ist. Zumindest sollte es möglich sein, ein völlig unbrauchbares Gerät von einem brauchbaren zu unterscheiden.

Zur Beurteilung dient dabei nur die unscharfe Scheibe, da die Unterschiede hier wesentlich leichter zu erkennen sind, als am scharfgestellten Stern. Die nächste Abbildung zeigt die entsprechenden Scheiben, je nach Güte der Korrektur, wobei von oben nach unten die Korrektur immer schlechter wird.

Beachten Sie, dass bei perfekter Korrektur die Scheiben innerhalb und außerhalb des Fokus exakt gleich aussehen. Mit zunehmend schlechterer Korrektur beginnen sich die Scheiben dann immer mehr zu unterscheiden. Auf welcher Seite des Fokus Sie nun die eine oder die andere Variante sehen, hängt nur davon ab, wie Ihre Optik korrigiert ist. Sie kann über- oder unterkorrigiert sein. Für Sie spielt das bei 'diesem Test keine Rolle. Wichtig ist nur, wie groß der Unterschied zwischen der einen und der anderen Scheibe ist. Wenn Sie die zweite Reihe im Bild betrachten, erkennen Sie, dass selbst eine sehr gute Optik schon deutliche Unterschiede zeigt. Das eine Scheibchen (links) wird vor allem am Außenrand verwaschener, das andere (rechts) erscheint dafür umso schärfer abgegrenzt. Die dritte Reihe zeigt eine immer noch gute und brauchbare Optik. Der Unterschied der Scheibchen ist nun noch größer, es zeichnet sich im Zentrum des linken Scheibchens bereits ein hellerer Kern ab. In der vierten Reihe ist dieser helle Kern dann sehr deutlich zu sehen. Die Scheibe auf der anderen Seite des Fokus ist im Gegensatz dazu sehr scharf abgegrenzt und im Inneren sehr viel dunkler als am Rand.

Perfekte Korrektur intrafokal extrafokal perfekt
sehr gute Korrektur intrafokal extrafokal gut
gute Korrektur, brauchbar intrafokal extrafokal brauchbar
schlechte Korrektur, unbrauchbar intrafokal extrafokal unbrauchbar
unscharfer Stern unscharfer Stern Saturn m. 4mm-Okular

Abb.11: Korrektur der Optik (Sphärische Aberration)

Ich möchte an diese Stelle noch einmal festhalten, dass es selbst für einen Fortgeschrittenen nicht leicht ist, diese feinen Unterschiede zu erkennen. Versuchen Sie es trotzdem! Sollten Sie der Meinung sein, Ihre Optik zeigt Bilder, wie hier in der untersten Reihe oder noch schlechter, so ziehen Sie, wenn möglich, einen erfahrenen Sternfreund zu Rate oder tauschen Sie sicherheitshalber das Gerät um. Natürlich können Sie auch mit einer schlecht korrigierten Optik beobachten. Sie müssen dann allerdings deutliche Einbußen in der Bildschärfe hinnehmen.

Um zu verdeutlichen, wie sich das in der Praxis auswirkt, habe ich im oberen Bild rechts den jeweils zu erwartenden Saturn hinzugefügt. Vergleichen Sie also Ihr Ergebnis vom Test am Stern auch mit der Abbildung, die Sie vom Saturn erhalten. Man sieht sehr schön, dass es wirklich Sinn macht, nach einer brauchbaren Optik zu trachten. Andererseits ist ebenso gut zu erkennen, dass der Unterschied zwischen einer brauchbaren und einer perfekten Optik viel geringer ist als oft angenommen. Der zusätzliche Vergleich an Saturn macht aber nur Sinn, wenn auch die Atmosphäre ruhig und stabil ist. Bei 175facher Vergrößerung (4mm-Okular) wird auch die Unruhe der Luft entsprechend mitvergrößert. Wenn Wallungen und Schlieren durch das Bild wandern, warten Sie besser auf günstigere Verhältnisse.

 

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